Pforzheim. Der Vortag im PZ-Forum begann „cum tempore“ akademisch verspätet, entfaltete dann aber die Geschichte des „Grünen Gewölbes zu Dresden“ mit all ihren Wendungen als bilderreich spannenden, von blitzenden Brillianten begleiteten Rundgang durch ein barockes Schatzhaus.
{element}Dirk Syndram, der Direktor des Grünen Gewölbes und vom Pforzheimer Schmuckwelten-Juwelier Georg H. Leicht eingeladener Gastreferent, nannte es erstaunlich, was für einen umfangreichen Preziosenschatz sächsische Kurfürsten und Könige, insbesondere August der Starke, im prächtigen Raumensemble ihres Dresdner Schlosses zusammentragen konnten, dessen Name sich von den ursprünglich kupfergrün gefassten Wänden und Säulenkapitellen herleitet. Syndram zitierte zwei historische Zeugen.
Kostbare Gefäße
Zum einen den vielgelesenen Reiseführer von Johann Georg Keyßler, der 1730 nach seinem Besuch der kurz vorher fertiggestellten Schatzkunstsammlung seinen Lesern empfahl: „In Dresden hat man vor allen Dingen dahin zu trachten, dass man das sogenannte Grüne Gewölbe zu sehen bekomme.“ Und zweitens den jungen Philosophen Arthur Schopenhauer, der 1804 nach einem Besuch notierte: „Man glaubt sich in einen Feen-Palast versetzt und wird von der unendlichen Pracht geblendet, wenn man die glänzenden Zimmer betritt, in denen sich die kostbaren goldenen Gefäße und Spielwerke von Diamanten an den Spiegelwänden vervielfachen.“
Auch zeigte Syndram Fotos von der Ruinenlandschaft, die der alliierte Bomberangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 hinterließ. Glücklicherweise lagerten die Kunstschätze schon seit der Sudetenkrise von 1938 in Kisten verpackt im Schlosskeller und waren 1942 in die Kasematten der Feste Königstein verbracht worden. Am 14. Mai 1945 von der Roten Armee beschlagnahmt, verblieben die Schätze 14 Jahre in der Sowjetunion, wurden nach ihrer Rückkehr im Dresdner Albertinum ausgestellt und können nun, nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten in der Nachwendezeit, wieder in ihren angestammten Räumen im Schloss bestaunt werden. Syndram bezeichnete es als Wunder, dass die Schausammlung „fast drei Jahrhunderte über Kriege hinweg erhalten blieb und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder hergestellt werden konnte“. Schon die historischen Bezeichnungen der Prunkräume lassen Schmuckliebhaber-Herzen höherschlagen: Bernsteinkabinett, Elfenbeinzimmer, Weißsilberzimmer, Silbervergoldetes Zimmer, Preziosensaal, Juwelen-Zimmer und Bronzen-Zimmer. Zu sehen sind neben dem weltberühmten „Thron des Großmoguls“ mit seinem verspielt bunten Figurenwerk, dem „Sächsischen Kirschkern“ oder dem für den Gebrauch völlig unnützen „Goldenen Kaffeezeug“ allerhand Emailmalereien auf Goldbechern und brillantbesetzten Pokalen, goldverzierte Kristallgefäße mit Korallenaufsatz, Kannen aus Bernstein, feine Elfenbein-Drechselarbeiten, Rosenschliff-Diamantknöpfe und Saphir-Schnallengarnituren, Statuetten und Ziervasen, hergestellt von den berühmtesten Goldschmiedekünstlern ihrer Zeit.


Direktor des Grünen Gewölbes Dresden zu Gast im PZ-Forum
Direktor des Grünen Gewölbes Dresden, Dirk Syndram, war zu Gast im PZ-Forum.


