Pforzheim. Die Faszination des kanadischen Songschreibers und Dichters mit der tiefgründigen Stimme ist ungebrochen. Mehr als 100 Gäste strömen am Mittwochabend ins Kommunale Kino (KoKi) – ausverkauft. Gezeigt wird das Doku-Drama „Marianne & Leonard – Words Of Love“ im Rahmen der Filmreihe „Open Stage“.
Als „Vorgruppe“ interpretiert der Karlsruher Künstler Rolf Ableiter einige Titel. Er füllt mit seiner Cohen-Tribute-Band Field Commander C inzwischen große Hallen, sagt KoKi-Geschäftsführerin Christine Müh in ihrer Begrüßung. So auch wieder am Samstag, 14. März, in der Badnerlandhalle in Karlsruhe-Neureut. Mit insgesamt 14 Musikern auf der Bühne. Im Kino spielt er solo. Er sei ganz schön aufgeregt. Hinter einer großen Band könne er sich gut verstecken, scherzt er.
Als ob er das nötig hätte. Zart zupft er zu „Famous Blue Raincoat“ die Gitarre, sein warmer Bariton erfüllt den Raum. Wie Janis Joplin einst Kris Kristofferson mit Cohen verwechselte („Chelsea Hotel“), wie zwei Schwestern dem Sänger eine Nacht versüßten („Sisters Of Mercy“) – zu jeder Nummer erzählt Ableiter eine Geschichte, ordnet sie zeitlich ein in Cohens bewegtes Leben. Er beruhigte 1970 das aus dem Ruder gelaufene „Isle of Wight“-Festival, indem er „Bird On The Wire“ sang und die aggressiven Besucher aufforderte, ein Streichholz anzuzünden und vors Gesicht des Nachbars zu halten, um zu sehen: Wir sind alle nur Menschen. Diese Erkenntnis würde er heute so manchen Zeitgenossen umso mehr wünschen, sagt Ableiter. Als Zugabe beschließt er sein Set mit dem dezent mitgesungenen „So Long, Marianne“. Die Kinogäste sind bestens eingestimmt auf den Film.
Ikonische Lieder
Und der schildert mit zahlreichen Interviews die Beziehung Cohens zu seiner Muse Marianne Ihlen. Der Brite Nick Broomfield nutzte eigenes Material und Aufnahmen des 2019 gestorbenen US-Kollegen D. A. Pennebaker. Die Liebesgeschichte der sanften Norwegerin und ihres intellektuellen Künstlerfreunds ist – wenn auch nicht gleichberechtigt gelebt – eine der schönsten der Musikszene. Ikonische Lieder sind mit ihr verbunden. Der Streifen ist eine poetische Reise in die Zeit von Drogen, Sex und freiheitlichem Lebensstil. Er porträtiert zwei Menschen, die ein Leben lang auf der Suche waren: vom Kennenlernen auf der griechischen Künstler-Insel Hydra über die Entfremdung in den USA, sporadische Kontakte in den 1970ern bis zum rührenden Schluss am Sterbebett. Cohens letzte Worte an sie: „Ich wünsche dir eine gute Reise. Endlose Liebe, wir sehen uns am Ende des Weges.“
Der Film läuft nochmals am Freitag um 17 Uhr im KoKi Pforzheim.


