Die Gechinger Künstlerin Anna Huxel vor vier ihrer Arbeiten aus dem vergangenen Jahr. Das Motiv dieses kolossartigen Fleischberges variiert sie auf 26 Ölgemälden, die im Hohenwart Forum zu sehen sind. Foto: Ketterl
Spannender Schattenwurf: Pfarrer Jens Adam betrachtet „What makes you think“ (2015) von Nina Joanna Bergold. Foto: Ketterl
Kultur
Doppelausstellung im Hohenwart Forum: Folienschnitt trifft auf Malerei
  • Michael Müller

Pforzheim. Es sind zwei künstlerische Gegenpole, die Kuratorin Krisztina Jütten in der neuen Doppelausstellung im Hohenwart Forum vorstellt: ganz bewusst konfrontativ in Szene gesetzte, die Grenzen des Geschmacks auslotende Kontraste. Die Ausstellung wird morgen um 11 Uhr mit einem Art-Gottesdienst eröffnet. Zu sehen sind Malerei, Folienschnitte sowie Zeichnungen und Collagen, die den Entstehungsprozess vieler Werke dokumentieren.

Auch wenn sich die Positionen der präsentierten Künstlerinnen deutlich unterscheiden, so gibt es in der Vita einige Parallelen. Nachdem sie zuvor anderen Berufen nachgegangen waren, haben sich beide vergleichsweise spät für ein Studium an der Stuttgarter Akademie entschieden, die sie vor ein paar Jahren absolvierten. Jütten attestiert den Arbeiten der beiden eine große Reife.

Anna Huxels Ölgemälde dominiert ein meist recht massiver Fleischberg mit menschlichen Zügen. Der Körper ist mal mehr, mal nur ansatzweise an den Gliedmaßen erkennbar. Eines haben aber alle Fleischberge gemeinsam: In der Mitte klafft ein großes Loch, dahinter öffnet sich eine Welt. Huxel (Jahrgang 1968) wirft die Figuren auf ihren großformatigen, meist quadratischen Arbeiten in unterschiedliche Situationen. In der Kapelle des Hohenwart Forums hängen Arbeiten aus Huxels Serie „Fluchtpunkt“, in denen sie nach persönlichen Begegnungen und Gesprächen die Flüchtlingskrise vielschichtig thematisiert.

Mensch, Geist, Seele und Leib

Mit dickem, erkennbarem Pinselstrich „entstehen die Arbeiten auf sehr körperliche Weise“, sagt Huxel. Ihr Unterbewusstsein erzähle die Geschichten. Die Fleischmasse habe einen religiösen Hintergrund: Das biblische Verständnis, in dem der Mensch in Geist, Seele und Leib unterschieden werde. Sie geht der Frage nach: Wie kann das, was geistig passiert, im Fleisch inkarniert werden? Diese Frage nach dem „Wie“ sei der Ausgangspunkt ihrer Bildgestaltung.

Zwischen filigran und wuchtig, witzig und ironisch changieren die Folienschnitte der Ludwigsburgerin Nina Joanna Bergold (Jahrgang 1980). Die installativen Arbeiten haben ihren Ursprung im großformatigen Linolschnitt. Sie schneidet ihre Figuren aus schwarzer Teichfolie aus, auf ihrer Rückseite sind die zugrundeliegenden Zeichnungen erkennbar.

Es sind Figuren aus dem Alltag, die sich bewegen. Manchmal werfen sie spannende Schatten an die Wand. Bei der Installation in der Kapelle entsteht der Eindruck, die Figuren kommunizierten miteinander. Dreidimensional und raumgreifend gehängt, wird der Betrachter Teil des Ganzen. „Die Figuren werden je nach Blickwinkel hin und hergeworfen vom Flächigen ins Räumliche und zurück“, so Bergold.