.In der Galerie Brötzinger Art wird derzeit noch munter diskutiert. Wo platziert Künstlerin Susanna Messerschmidt am besten ihre Latex-Schaukel? Mitten im Eingangsbereich oder doch besser auf der Seite? Die Räumlichkeiten in der Brunnenstraße bieten nur begrenzt Platz, da muss genau austariert werden, wo welches Exponat am besten zur Geltung kommt.
Messerschmidt ist neben Alexandra Deutsch und Manuel Knapp eine von drei KünstlerInnen, die ab diesem Freitag unter dem Titel „Fiktion“ zum 50-jährigen Bestehen der kleinen Galerie ihre Arbeiten ausstellt. Die rosafarbene Schaukel mit grünen tentakelartigen Schnüren, die von der Sitzfläche herabhängen, ist ein witziger Hingucker. „Präzises Vergnügen“ nennt sie diese Arbeit mit einem Augenzwinkern. „Entweder man ist vergnügt oder man ist es nicht“, sagt sie. Sie wolle dem bürokratischen Denken der Deutschen etwas Spielerisches entgegensetzen.
Im hinteren Raum der Galerie schweben bunte Figuren von der Decke. Sie sind ebenfalls aus Latex angefertigt und präsentieren sich in unterschiedlichen organischen Formen. „Wesen im Google net-z“ nennt Messerschmidt sie. „Meine Wesen sind visionär erdachte Gestalten, die in einer fernen Zukunft unter Herrschaft einer künstlichen Intelligenz verortet sind“, beschreibt die Künstlerin ihre schwebenden Objekte. Tatsächlich tauchen sie dem Raum in eine eigentümliche Atmosphäre, als hätten sie ihn sich zu eigen gemacht und einen eigenen Kosmos erschaffen, in dem der Betrachter allenfalls geduldet wird.
Von einer ganz anderen Seite zeigen sich die Arbeiten des in Mühlacker geborenen Künstlers Manuel Knapp. Aus einer Flut von Baumwollfäden fertigt er komplexe Raster und Formen, die mit dem Auge des Betrachters spielen, indem sie schon beinahe illusorische Effekte erzielen. Farbe, Form und Material verbinden sich wie Puzzleteile miteinander und sorgen beim Hinsehen immer wieder für Überraschungen. Seien es die Farben, die im Dunkeln fast neonröhrenartig leuchten, oder die Formen, die sich bei jeder Veränderung des Blickwinkels aufzulösen scheinen. Das freut auch den Künstler, der sich trotz akkurater Vorplanung seiner Arbeiten gerne verblüffen lässt.
Ähnlich und doch anders: die Kunstwerke von Alexandra Deutsch. Papier ist ihr Schwerpunkt-Material, mit dem sie schon lange arbeitet. „Alles hat bei mir mit Natur zu tun“, sagt sie. Die Formen ihrer Arbeiten sind rund und weich, erinnern an Meeresgetier und Unterwasserwelten. Ähnlich wie in einem Naturkundemuseum warten in kleinen Vitrinen bunte, organische Wesen darauf, begutachtet zu werden.
Besonders beeindruckend und in einer gänzlich anderen Technik umgesetzt: ein getufter Wandteppich, auf dem Farben und Formen ineinander verschlungen sind. Kräftiges Rot geht über in tiefes Blau und verliert sich in strahlendem Gelb. Auch hier sind Meeresformen zu erkennen, ein eigener Kosmos, eine eigene Welt.
Die Jubiläumsausstellung ist von Freitag, 19. Juni, bis Sonntag, 19. Juli, in der Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14, 75172 Pforzheim, zu sehen. Zu Vernissage und Sommerfest wird an diesem Freitag, 19 Uhr, geladen. Zur Finissage am Sonntag, 19. Juli, gibt es um 15 Uhr eine Führung und Performance mit den KünstlerInnen.



