760_0900_117654_Mi_GravitySketch2.jpg
Mit der VR-Brille haben Teilnehmer dreidimensionale digitale Skulpturen in den luftleeren Raum gemalt.  Foto: Gomes 

Eingetaucht in virtuelle und urbane Räume: Macher des LAF ziehen positive Workshop-Bilanz

Pforzheim. Wie wichtig es ist, sich in der Welt zu verorten und nicht mit dem Blick von oben auf die Gesellschaft über den sozialen Raum nachzudenken – diese Gedanken nehmen die Organisatoren des Projektraums LAF (Leerstand als Freiraum) an der Östlichen 7 mit aus ihrer Workshop-Woche zur Stadtwahrnehmung. „Wir müssen uns mit wachem Blick für unser direktes Umfeld und einem Sinn fürs Lokale durch den öffentlichen Raum bewegen. Nur dann können wir auch auf reale Bedürfnisse und Missstände in der Gesellschaft antworten“, lautet ein Fazit. So sollten Planer sowohl den Blick von oben auf Infrastruktur, Mobilität und Vernetzung als auch die horizontale Perspektive in der Gesellschaft in ihre Entscheidungen einfließen lassen, um kreative Lösungen zu finden.

Zu den Inhalten der Woche zählten wie berichtet auch Vorträge aus dem Umfeld der Hochschule Pforzheim. Gerhard Buurman stellte die Spaziergangswissenschaften vor. Beim Gang durch die Stadt haben die Teilnehmer begonnen, Leerstände zu archivieren und auf einer Karte einzutragen. „Ein Format, das wir sicher wiederholen werden, um die Karte so Stück für Stück zu ergänzen“, sagt Theo Gomes vom LAF. Vorerst seien dies lediglich Orte der Leere und des Vergessens. Aus Perspektive einer kreativen Zwischennutzung könnten sie Freiräume sein mit Potenzial für weitere spannende Projekte, etwa Festivals. Denkbar sei auch eine digitale interaktive Leerstandskarte, in der für jeden ersichtlich ist, an welchen Orten leer stehende Räume sind, wem sie gehören und wie man die Besitzer kontaktiert.

Weitere spannende Erfahrung: die Aktion „Embodied Virtual“. Angeleitet durch den Tänzer Dario Wilmington vom Theater Pforzheim, verbanden sich die Teilnehmer durch Bewegung mit ihren Körpern. Anschließend tauchten sie mit einer VR-Brille in den virtuellen Raum ein, um dreidimensionale digitale Skulpturen in den luftleeren Raum zu malen – für die meisten der erste Kontakt mit dieser Technologie. Dabei wurde munter diskutiert über die selbstgebauten Welten, in denen Menschen leben und sich in biedermeierliche Verhältnisse „privater Blasen“ zurückziehen. Stellt man sich nun vor, dass sich viele bald lieber in virtuellen Räumen aufhalten, müsse die Frage über den öffentlich-analogen Stadtraum der Zukunft neu beantwortet werden.

Wie klingt Pforzheim? Bei einem Workshop zur auditiven Reflexion haben die Teilnehmer Tonaufnahmen gemacht – im Ergebnis mit überraschend entschleunigenden Meditationen über den urbanen Raum. „Isoliert von ihrem Umfeld, nahmen wir ganz andere Töne wahr als jene, die wir beim Laufen hörten“, so Gomes. Abgesehen von Motoren- und Baustellenklängen wurde auch deutlich, welche Klänge die Menschen in der „Stadtmaschine“ erzeugen und wie sie Rhythmus ins urbane Chaos bringen.

Ausstellungen geplant

Mit Verlauf und Interesse an der Woche sind die LAF-Macher fürs Erste zufrieden: „Es waren auch Gäste aus Stuttgart und Karlsruhe da. Wir haben uns besonders gefreut, nicht nur Studierende erreicht zu haben.“ An bestimmte Workshops wollen sie künftig anknüpfen. Noch im Laufe des Sommers soll es ein kleines, aber feines Programm mit „Möglichkeiten des Zusammenkommens“ geben. Für den Herbst seien Ausstellungen geplant.