Pforzheim. Jetzt ist es endlich geschafft. Das Pforzheimer Kulturamt hat wieder eine reguläre Spitze. Die bisherige kommissarische Leiterin Angelika Drescher wurde am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung vom Pforzheimer Gemeinderat zur regulären Chefin gewählt.
Damit findet eine kommunalpolitische Personalie ihr Ende, die mit ihren vielen Punkten einer unendlichen Geschichte glich. Denn eine Nachfolgerin für Isabel Greschat, die das Kulturamt im September 2015 verließ, wurde seit April desselben Jahres gesucht. Da gab es viele Bewerber, viele Absagen, neue Ausschreibungen. Und am Ende Angelika Drescher, die von der Stellvertreterin zur kommissararischen Leiterin wurde – und jetzt zur regulären Kulturamtsleiterin.
Durchgesetzt hat sie sich gegen Katrin Lechler, eine Mitarbeiterin des Pforzheimer Theaters – laut PZ-Informationen mit 24 zu 12 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Was hat Drescher – mit unbefristetem Vertrag ausgestattet – vor in ihrer Amtszeit? Den Schwung des Schmuckjubiläums wolle sie erhalten – und mit ähnlichen Großprojekten für Aufsehen sorgen. 2020 solle es ein großes Festival geben. Eine Neuauflage der „WerkSTADT“, die im Jahr 2015 für geringes Zuschauerinteresse gesorgt hat. 2022 soll es laut Drescher dann eine „Ornamenta II“ geben. Wie die Vorgängerveranstaltung im Jahr 1989 soll das Festival ein Format mit überregionaler Stahlkraft sein. „Ich möchte es nicht mit der documenta in Kassel vergleichen, aber es soll schon in diese Richtung gehen“, sagt Drescher „Die wichtigen Themen der Stadt wie Schmuck, Präzision, Design und Architektur müssen groß gespielt werden.“
Wie soll das alles bezahlt werden angesichts der angespannten Lage im städtischen Haushalt? „Wie beim Schmuckjubiläum wollen wir auch bei den Festivals auf Sponsoring setzen“, sagt Drescher. Sie hat sich auch generell Gedanken darüber gemacht, wie es mit der Kultur in Pforzheim finanziell weitergeht. „Wir müssen die Veranstaltungen mehr bündeln und uns besser absprechen.“
Statt vieler Kleinigkeiten setzt Drescher also mehr auf einzelne Höhepunkte. „Dass das funktioniert, sehen wir auch an der Besucherresonanz.“ Diese Grundposition stößt nicht überall auf Zustimmung. Ulrike Rein vertritt als Vorsitzende des Kulturrats die Pforzheimer Kulturträger – und ist skeptisch. „Auch die großen Events werden ja getragen durch die alltägliche Kulturarbeit“, sagt sie „Wenn die wegbricht, stehen auch die Höhepunkte auf wackligen Beinen.“
Aber Drescher fühlt sich auch verantwortlich für die kleineren Kulturschaffenden und will mit ihnen über noch mehr Vernetzung reden – bei der Vermarktung zum Beispiel. „Wir wollen eine Dachmarke für die Kultur in Pforzheim entwickeln – eine Werbelinie für alle.“ Und auch weitere Projekte sind in der Mache. Die Vernetzung mit dem Enzkreis will Drescher vorantreiben – und mit einer besonderen Version der Artothek punkten, bei der nur die Kunst von Pforzheimer Künstlern ausgeliehen werden soll.
Was aber macht bei diesen ganzen Plänen die in der Wahl unterlegene Lechler? Die ist erfreut über ihr anständiges Ergebnis. Rund ein Drittel des Gemeinderats hat ja sie unterstützt. „Für mich als Außenseiterin ist das natürlich ein tolles Ergebnis“, sagt Lechler. So ein bisschen konnte man ihre Bewerbung auch sehen als Protest gegen die am Ende bloß rathausinterne Ausschreibung der Stelle. Obwohl Lechler beim Theater Pforzheim beschäftigt ist und als Bundestagskandidatin der Grünen antritt, hätte sie beide Stellen aufgegeben für die Kulturamtsleitung – nach eigener Aussage ihr „Traumjob“. „Den nicht zu bekommen, ist in dem Moment dann doch sehr betrüblich.“ Die persönliche Beziehung der beiden Bewerberinnen habe übrigens nicht gelitten. Das sagen beide. „Die ist natürlich weiterhin gut“, meint Drescher. „Wir haben direkt nach der Wahl miteinander geredet, und sie hat mir gratuliert. Ich kann verstehen, dass sie diese tolle Stelle auch haben wollte.“ Jetzt ist es Drescher geworden – und die hat viel zu tun.

