Pforzheim. Coole Grooves nahmen das Publikum im voll besetzten Malersaal im Kulturhaus Osterfeld mit in einen entspannten Abend. „Engelszungen“, eine von verschiedenen Formationen, mit denen der Birkenfelder Pianist, Arrangeur und Sänger Holger Engel unterwegs ist, boten mit ihrem Programm „Thinking out loud“ eine abwechslungsreiche und überraschende Zusammenstellung aus Pop, Rock und Disco-Musik in Crossover-Arrangements mit Jazz-, Soul- und Blueselementen.
Die Seele des Konzerts war Sängerin Jacky mit ihrer kraftvollen und überaus beweglichen Stimme, mit der sie die Songs sehr emotional interpretierte. Bandleader Holger Engel (Piano, Bass) hatte unaufgeregt und souverän die musikalischen Zügel in der Hand, ließ dabei den Instrumentalpartnern Florian Wolpert (Saxofon, Flöte) und Stefan Günther-Martens (Drums, Percussion) genügend Freiraum für Improvisationen.
„Engelszungen“ hatten bereits 2016 erfolgreich im Kulturhaus gastiert. Seither ist das Trio zum Quartett gewachsen, und die Musik ist insgesamt jazziger geworden, so Holger Engel in seiner Begrüßung. Das Jazzige war für Sängerin Jacky während der Proben keine reine Freude, wie sie gestand, davon war im Konzert aber nichts mehr zu merken, im Gegenteil, ihre wandelbare, ausdrucksstarke Stimme ist dafür bestens geeignet. Und so war Überraschendes zu hören: das überaus cool dargebotene Jazz-Traditionell „Black Coffee“ zum Beispiel oder die wunderbar emotionale Rockballade „You Are So Beautiful To Me“ von Joe Cocker. Ungewöhnlich arrangiert der Bluesrock-Song „Black Velvet“, der nach „Pink Panther“-Auftakt Südstaaten-Schwüle von den Wänden tropfen ließ, um dann mit ein paar Gershwin-Takten zu enden. Wer hätte es gedacht: Der 1979er-Disco-Hit „Staying Alive“ von den Bee Gees funktioniert auch im Jazz-Arrangement und mit Frauen-Alt statt Männer-Falsett, geadelt durch ein tolles Saxofon-Solo. Ein Höhepunkt des Abends war eine lyrische Version des Funk-Stücks „Purple Rain“ von Prince, wobei allerdings der elektronische E-Gitarren- und Schlagzeugersatz etwas aus der Zeit gefallen wirkte.
Das Soul-Stück „One For My Baby“ nutzte Jacky erneut, um ausgiebig mit ihren stimmlichen Fähigkeiten zu spielen, bevor in dem gefühlvoll interpretierten Popsong „Frozen“ von Madonna Drummer Florian Wolpert seinen großen Auftritt hatte und mit dem Besen seinen Becken flirrenden Tonschnee entlockte. In ihren etwas konzeptlosen Anmoderationen erläuterte Jacky, was „Engelszungen“ mit den einzelnen Songs ausdrücken wollen.
Zwei Popsongs – „Please Don’t Stop The Music“ von Rihanna und die Zugabe „Some People“ von Cliff Richard – beendeten das etwa zweistündige und begeistert beklatschte Programm. Balladen sind, das hatte sich gezeigt, die Stärke von „Engelszungen“, die auch bei privaten Events auftreten. Balladen von schwelgerischer Opulenz, mit sphärischen Klängen, die, wenn passend, aber durchaus an Drive gewinnen. Auf das nächste Konzert der Formation darf man gespannt sein.

