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Trotzig wider das (Theater)Sterben: Tobias Bode, Klaus Geber, Robert Besta, Markus Herzer, Lilian Huynen sowie Theresa Martini (von links). Foto: Theater Pforzheim
Trotzig wider das (Theater)Sterben: Tobias Bode, Klaus Geber, Robert Besta, Markus Herzer, Lilian Huynen sowie Theresa Martini (von links). Foto: Theater Pforzheim
13.02.2017

„Ewig jung“ am Theater Pforzheim: stehende Ovationen

Pforzheim. Wir schreiben das Jahr 2050. Die heute aktive Schauspielergarde des Theaters Pforzheim hat entweder schon das Zeitliche gesegnet oder fristet ihr Gnadenbrot in einem wenig anheimelnden Altersheim. Angeblich schon verblichene Mitglieder des Ensembles zieren die Bühnenrückwand – ein hübsches, kleines Ratespiel für geübte Pforzheimer Theatergänger.

Gespielt wird von der siebenköpfigen Truppe ganz vorne an der Rampe, immer auf Tuchfühlung mit den Zuschauern, denen in der Abfolge von schön-skurrilen Gesangsnummern wenig Zeit zum Verschnaufen bleibt. Gassenhauer aus der Zeit der Jugend und Blüte der geriatrischen Schauspielerriege reiht sich an Gassenhauer, dank derer sich die in die Jahre gekommenen Akteure mit – ihren reichlich geschundenen – Händen und Füßen gegen die passive Vorhölle des Todes wehren.

Ewig Jung feiert Premiere im Theater Pforzheim

Zynisch eröffnet wird der Songreigen denn auch von Schwester Jula (Jula Zangger), die mit einem dümmlichen Mitmachlied zur Senioren-Animation aufwartet. Dem kann die vergnügungssüchtige Truppe aber so gar nichts abgewinnen, um dann um so resoluter das Heft selbst in die Hand zu nehmen – ihrer Jugend und dem Leben wird auf recht deftige Weise gehuldigt. „I got you Babe (Sonny and Cher), „Buona Sera, Signorina (Dean Martin)“, „Scarborough Fair“ (Simon & Garfunkel) oder „Born to be wild“ (Steppenwolf) – die Alten singen was das Zeug hält, am Flügel bei der Stange gehalten von Herrn Herzer (Markus Herzer).

Auch geflirtet wird heftig. Frau Huynen (Lilian Huynen) und Altrocker Herr Bode (Tobias Bode) samt Herrn Besta (Robert Besta) tun sich in Sachen Altersgeilheit besonders hervor. Selbst vor deftigen Fürzen, zwecks körperlichen Wohlbefinden, wird nicht zurückgeschreckt – zur allgemeinen Erheiterung im Zuschauerraum. Slapstick à la Laurel & und Hardy machen aus der Bühne ein vor Lebensfreude flirrendes Irrenhaus, mit einem Klaus Geber als überzeugendem Grandseigneur im Tattergreisen-Alter.

Besonders gelungen als ruhender, nach innen gekehrter Kontrast bei all dem Klamauk, das „All by myself“ (Eric Carmen), butterweich vorgetragen von Theresa Martini. Und: – natürlich die Dylan-Hymne „Forever Young“: Lilian Huynen weiß genau, wie sie mit ihrer knarzigen Stimme den titelgebenden Song mit viel Gefühl in Szene setzt.

Schöner Regieeinfall von Alexander May: Nach den Worten „auf der ganzen Welt sind alles Spieler, sie treten auf und alle ab“ – das Transparent „Theater muss sein“ auf der Bühne, ein kaum verhohlener Appell auch für den Erhalt des Pforzheimer Theaters. Passend dazu selbstredend auch das „I will survive“, als die mit allerlei Todesbeschwörungen – zu Cembaloklängen! – den Alten die Lebensfreude vergällende Schwester Jula erschossen wird.

Tosender Applaus und stehende Ovationen beenden den Premierenabend für ein Stück, welches in dieser Inszenierung das Zeug dazu hat, auch in der Goldstadt ein Publikumsmagnet zu werden. Und weil’s so schön war: Einige Gesangsnummern – samt Polonaise – gleich noch obendrauf.