London. Anzahl und Alter seiner Kinder sind Beweis genug für sein ausschweifendes Leben, Inbegriff von Sex, Drugs und Rock’n’Roll: Rockstar Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones seit mehr als einem halben Jahrhundert, hat seinem Ruf als Playboy immer Ehre gemacht und mit 72 noch ein Kind gezeugt, mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin, der Ballerina Melanie Hamrick.
Heute feiert er seinen 75. Geburtstag. Obwohl es regelmäßig zwischen Jagger und Gitarrist Keith Richards kracht, schreiben sie seit über einem halben Jahrhundert einen Hit nach dem anderen, darunter Klassiker wie „(I Can’t Get No) Satisfaction“, „Sympathy For The Devil“, „Honky Tonk Women“ und „Jumpin‘ Jack Flash“. Die Musik kittet sie zusammen – sowie die Interventionen von Gitarrist Ron Wood und Schlagzeuger Charlie Watts. Bald bringen die vier Rock-Dinosaurier gemeinsam 300 Jahre auf die Bühne.
Mick Jagger wurde angeblich nur deshalb in dem Londoner Vorort Dartford geboren, weil es seine Eltern 1943 während der Luftangriffe nicht mehr nach London hinein schafften. Laut einem Biografen war seine Stimme schon damals durchdringender als die Luftschutzsirenen. Er kam aus einer Lehrerfamilie – Vater, Mutter und Großvater unterrichteten. Aber das kam nie für ihn in Frage – „keine Geduld!“ sagt er.
Der junge Mick testete seine Bühnenpräsenz heimlich bei Auftritten mit örtlichen Rockbands, sang und tanzte bei Familienfesten. Am 17. Oktober 1961 traf er seinen früheren Schulkameraden Keith Richards am Dartforder Bahnhof wieder. Der Rest ist Geschichte: Auftritt im legendären Marquee-Club in London, ihre erste Single als Rolling Stones, dann der erste weltweite Hit mit „(I Can’t Get No) Satisfaction“ 1965. Seither haben sie mehr als 300 Millionen Platten verkauft und spielen in ausverkauften Stadien auf der ganzen Welt. Und neben den Stones gab es für Jagger immer eigene Projekte. Aber es war ein Schock für seine Eltern, als sein Studium an der renommierten London School of Economics gegen eine Karriere als provokanter Anti-Beatle eintauschen wollte. „Damals war es kein Beruf, in einer Rockband zu sein. Das war etwas, was man machte, wenn man aus einem relativ armen Hintergrund stammte.“
Konzerte wie auf der kürzlich beendeten Europatour übersteht er mit strikter Routine: Ein frühes Abendessen, ein letzter Check auf der Bühne, dass nichts während des Auftritts herunterfallen kann. Dann wärmt er sich auf, bevor er 45 Minuten lang Stimmübungen macht.
Aufhören wird er noch lange nicht, im Gegenteil: „Ich schreibe gerade“, gestand er dem „Independent“ in einem seiner seltenen Interviews; Songs, hauptsächlich für die Stones. „Ich denke nicht wirklich viel darüber nach, was ich geschrieben habe. Ich ackere mich einfach immer weiter durch, wirklich.“

