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Hans Zimmer lässt ein Symphonieorchester und bekannte Solisten seine großen Hits aus „König der Löwen“ und „Fluch der Karibik“ zelebrieren. Foto: Ullmeyer
Hans Zimmer lässt ein Symphonieorchester und bekannte Solisten seine großen Hits aus „König der Löwen“ und „Fluch der Karibik“ zelebrieren. Foto: Ullmeyer
Hat fast 150 Filme vertont: der Komponist Hans Zimmer. Foto: dpa
Hat fast 150 Filme vertont: der Komponist Hans Zimmer. Foto: dpa
09.05.2018

Filmkomponist Hans Zimmer schickt über 100 Musiker und Sänger auf Tournee

Stuttgart. Grenzenlose Begeisterung, stehende Ovationen, donnernder Applaus für einen Mann, der eigentlich gar nicht da ist – und doch höchst präsent. Fast 150 Filmen hat Hans Zimmer die Musik geschenkt, und nun lässt er sie in der Tournee „The World of Hans Zimmer“ auch live lebendig werden.

Am Sonntagabend in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle. Als Video-Einspielung ist der sympathische Frankfurter, dessen leicht amerikanischer Akzent seine Wahlheimat Los Angeles verrät, zwischen und auch in den Stücken präsent: Mal launig auf deutsch plaudernd, mal sich mit Gästen wie dem Komponisten Lebo M an die Entstehung des Soundtracks zu „König der Löwen“ erinnernd.

Ob Zimmer sich tatsächlich an all seine Kompositionen erinnern kann? Müßig darüber nachzudenken, sind doch seine Filmmusiken für Blockbuster wie „The Dark Knight“, „Rush“, „Madagaskar“ und „Pearl Harbor“ im kollektiven Gedächtnis nicht nur von Cineasten präsent.

All diese Titel erklingen an diesem Abend – gespielt und gesungen vom 80 Musiker umfassenden Symphonieorchester des Bolschoi Staatstheaters und dem 20-köpfigen russischen Chor. Dirigent Gavin Greenway hält kongenial die Fäden zusammen, zwischen sich immer wieder vor dem Publikum präsentierenden Solisten, dem großen Orchesterapparat, den Video-Einspielungen und den Lichteffekten. Denn „The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration“ ist Show und Konzert gleichermaßen. Zumal die neu arrangierten, opulenten Konzertsuiten hervorragende Musiker benötigen, die gerne auch optisch für Aufmerksamkeit sorgen, wie Cellistin Marie Spaemann oder Keyboarderin Eliane Correa.

Pathos und Gefühl – die Musik von Hans Zimmer hat von beidem überreichlich. Doch wer ihm vorwirft, eigentlich immer das Gleiche zu komponieren, wird mit dieser Tournee eines Besseren belehrt. Denn der 60-Jährige hat eine unverkennbare Handschrift, die er in den Dienst des jeweiligen Films stellt. Bei „Kung Fu Panda“ spielt Pedro Eustach genau die Flöte, die auch im Film für asiatisches Flair sorgt. Und wenn der Chor zum „Da Vinci Code“ an Gregorianischen Gesängen orientierte Weisen anstimmt, dann wird die Schleyerhalle fast schon zur Kathedrale.

Eindrucksvolles Arrangement

Ein Hauch Afrika weht durch Schwaben, beim eindrucksvollen Arrangement zu „König der Löwen“, bei „Spirit“ wird der Zuhörer auf den Flügeln der Musik über die Steppe getragen und wenn Lisa Gerrard bei „Now We Are Free“ aus „Gladiator“ ihre einzigartige Stimme erklingen lässt, dann ist Gänsehaut kaum vermeidbar.

Von „Hannibal“ bis „Rush“: Die Filmeinspielungen sind perfekt gewählt – unterstreichen die Musik, ohne sich in den Hintergrund zu drängen. Wenn als Zugabe zu lodernden Flammen und gewaltigem Orchestertutti die Kamera auf Captain Jack Sparrow zufährt, Johnny Depp in Riesengröße ins Publikum blickt, um in einem explodierenden Feuerball zu weichen, dann hat „Der Fluch der Karibik“ auch den letzten Konzertbesucher in seinen Bann geschlagen.