760_0900_88729_PF_Fools_Garden_Video_Wohnfabrik_5_k.jpg
Konzentriert vor Guido Frickes Kamera: Gabriel Holz, Peter Freudenthaler, Chiara Schmitt und Volker Hinkel (von links). Fools Garden dreht in der Wohnfabrik ein Video zur neuen Single „Still Running“.  Foto: Privat 
760_0900_88730_PF_Fools_Garden_Video_Wohnfabrik_2_k.jpg
Noch einmal Hand anlegen ans Modell: Visagistin Blandine Lagoutte macht Chiara Schmitts Haare schön.  Foto: Tilo Keller 

Fools Garden dreht Video in den Räumen der Pforzheimer Wohnfabrik

Pforzheim. Es gab Zeiten, da hat das Pforzheimer Pop-Aushängeschild Fools Garden für Musikvideos einen Riesen-Aufwand betrieben. Im Dauerregen in Irland, mitten in Wien. So richtig zufrieden war Frontmann Peter Freudenthaler damals aber nicht. Etwa mit dem Clip zu „Wild Days“. „Eine richtige Verkleidungsorgie war das“, erinnert er sich an den Videodreh. In Folge des berühmten Zitronenbaums war die Band mitunter fremdbestimmt.

Heute? Braucht er den Stress nicht mehr. Der 55-Jährige mag es deutlich entspannter. Oder, wie er sagt, „gechillter“. Man wird nicht jünger. „Und wir sind in diesem Jahr auch viel unterwegs gewesen.“ Ein neues Album („Rise And Fall“) will eben beworben werden.

Der Dreh zur vierten Auskopplung, der Electro-Pop-Nummer „Still Running“, ist an einem Tag im Kasten. Um 9 Uhr geht es mit Schminken los, um 21 Uhr ist Schluss. Von der Band sind neben dem Sänger noch Volker Hinkel, Komponist und Gitarrist, sowie der Gitarrist Gabriel Holz dabei. Häufig sitzen oder stehen die drei Musiker einfach nur herum. So ein Dreh habe viel mit Warten zu tun. „Meine Performance hält sich in Grenzen“, sagt Freudenthaler.

Das Video entsteht in den Räumen der Pforzheimer Wohnfabrik und erzählt eine Geschichte, die sich der in Düsseldorf arbeitende Regisseur Guido Fricke ausgedacht hat. Freudenthaler setzt gerne auf Menschen, die er schätzt. Mit Wohnfabrik-Chef Sven Ladwig ist er schon lange befreundet, er hat die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Fools-Garden-Bestehen im Jahr 2001 im Kulturhaus Osterfeld ausgestattet. Nun habe Ladwig der Band einfach den Schlüssel gegeben. „Da konnten wir den ganzen Tag ungestört arbeiten. Und eine Geburtstagsfeier nebenan hat uns mit Essen versorgt.“

Im Team sind weitere Weggefährten wie die Visagistin Blandine Lagoutte aus Karlsruhe. „Eine Künstlerin, sie macht tolle Outfits und hat ein gutes Herz“, lobt Freudenthaler. Auch Fricke kennt er seit Jahren. Der Musik- und Medienproduzent begleitet die Band auf Tourneen mit der Live-Technik. Um das Video zu „Save The World Tomorrow“ mit den Knastszenen in Freudenthalers Haus hat er sich ebenfalls gekümmert.

In „Still Running“ geht es nun darum, dass zwei Frauen um die Gunst des Sängers buhlen. „Aber nur in meiner Fantasie“, sagt der Ehemann und dreifache Vater. Dabei bewegt er sich durch die extravagant ausgestatteten Räume der Wohnfabrik. „Das sind sehr spezielle Kulissen, teils in märchenhaftem Rosa mit Flamingo-Sessel. Da mussten wir nicht extra ein Set aufbauen.“

Wichtig sei, dass die Atmosphäre zum Song passe. Zum einen, was die Inhalte des Kurzfilms angehe, „ohne dabei verkrampft eine Geschichte zu erzählen“. Zum anderen, wie die Musik rüberkomme. Da müsse es richtig „ballern“ – laut, in guter Qualität und fürs Gefühl. „Damit man sich einfach hineinlegen kann.“ Hinkel und Holz können sich synchron zur Einspielung bewegen, Freudenthaler mit entsprechendem Timing singen.

Technisch hat man heute ganz andere Möglichkeiten: Da Videos viel schneller geschnitten werden können, ist auch der personelle Aufwand geringer. Und damit die Investition. Bei „Still Running“ liegen die Kosten im vierstelligen Bereich – ein Bruchteil verglichen mit „Wild Days“. Fools Garden habe sich früher „von anderen mehr reinquatschen lassen“. Heute, mit mehr Erfahrung, steuert die Band das meiste selbst, ist mehr bei sich. Und authentisch.