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Da stimmt die Chemie: Thorsten Kiefer, Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Gabriel Holz und etwas versteckt Dirk Blümlein (von links). Foto: Fotomoment
Da stimmt die Chemie: Thorsten Kiefer, Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Gabriel Holz und etwas versteckt Dirk Blümlein (von links). Foto: Fotomoment
24.06.2019

Fools Garden gibt Heimspiel bei Konzert auf Maulbronner Klosterfest

Maulbronn. Ach ja, die Sache mit dem Zitronenbäumchen. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Nummer auch 23 Jahre nach dem unfassbaren Hitparadenerfolg immer noch funktioniert: Das Heimspiel von Fools Garden beim Maulbronner Klosterfest ist am Freitagabend knapp anderthalb Stunden alt, die Stimmung ohnehin schon auf angenehm entspannte Weise ausgelassen, als die Pop-Band aus dem Enzkreis das weltberühmte „Lemon Tree“ anstimmt, das auf der Plattform Spotify schon mehr als 100 Millionen Mal gestreamt wurde.

Kinder, Pärchen, Männergruppen – alle strömen Richtung Bühne, das Gedränge wird spürbar dichter. Sie zücken ihre Handys, singen aus voller Kehle mit.

Und ja, auch Peter Freudenthaler liebt den Song immer noch, wie er den rund 1500 Besuchern sagt. „Wir wären doch bekloppt, wenn nicht.“ Der Frontmann plaudert öfter mal drauf los und erzählt Anekdoten: Er erinnert sich ans Abi seiner Tochter oder daran, wie sein Hund beim Spazieren auf den Klosterhof „gekackt hat“. „Morgens zwischen fünf und sechs ist es hier am schönsten“, rät er, begeistert vom tollen Ambiente im mittelalterlichen Weltkulturerbe. Die Fans lieben den 56-Jährigen für seine unverkrampfte, authentische, herzliche Art, mit der er auch seine Nervosität vor solchen Heimspielen anspricht.

Am Freitag ist es ein perfekter Abend für ein Open-Air-Konzert: Mit der Dunkelheit, den leuchtenden Nachtwolken und dem stimmungsvollen Bühnenlicht wird die Atmosphäre immer bezaubernder. Wozu natürlich die Musik beiträgt. Die Lokalmatadoren starten mit der sphärischen Elektro-Ballade „Still Running“ und legen mit der Gänsehaut-Nummer „I Burn“ nach. Es folgen viele Titel des aktuellen Albums „Rise And Fall“. Spürbare Spielfreude und mehrstimmiger Gesang sind große Pluspunkte der Band. Die Chemie stimmt, vor allem zwischen Komponist Volker Hinkel und seinem Gitarren-Gegenüber Gabriel Holz. Die beiden suchen immer wieder Kontakt. Beim Finale der Britpop-Nummer „Suzie“ oder dem Rocker „Welcome Sun“ hauen sie kräftig in die Saiten. „Boys“ veredelt Dirk Blümlein mit knackigen Basslinien. Thorsten Kiefer am Keyboard und Jan Hees am Schlagzeug komplettieren den harmonischen Gesamteindruck der melodieverliebten Band.

Freudenthalers klare Stimme schwebt über allem. Er fegt über die etwas klein geratene Bühne und animiert die Zuschauer immer wieder, etwa beim Uptempo-Titel „Shame“: „Singen befreit und verschafft Glücksgefühle“. Zu „High Again“ bittet er um rhythmische Hilfe beim Klatschen von Achtelnoten. Crescendo, also lauter werdend. Das Publikum geht mit, schunkelt zu „Wild Days“ oder „Save The World Tomorrow“, lässt sich von der guten Laune anstecken – und singt ein spontanes Geburtstagsständchen für Volker Hinkel. „Sein Alter bleibt geheim, aber er sieht verdammt gut aus“, scherzt Freudenthaler.

Es gibt vier Zugaben. Mit dem sanft melancholischen „Rise And Fall“ schickt Fools Garden die Zuschauer nach knapp zwei Stunden in den lauen Sommerabend.