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Frank Dupree spielt Mozart und dirigiert gleichzeitig das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Foto: Keller
Frank Dupree spielt Mozart und dirigiert gleichzeitig das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Foto: Keller
12.06.2018

Frank Dupree beeindruckt als Pianist und Dirigent des SWDKO

Pforzheim. Ein Strahlemann ist Frank Dupree – und ein Meister im Koordinieren. Vom Flügel aus dirigiert der erst 26-jährige Pianist das Rondo für Klavier und Orchester A-Dur KV 386 von Mozart und das vierte Klavierkonzert G-Dur op. 58 von Beethoven in der Fassung für Streichorchester – und reißt damit das Publikum im noch einmal gut gefüllten CongressCentrum von den Stühlen.

Es ist das letzte Abonnementkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters in dieser Saison. Eines, bei dem Liebhaber der klassischen Musik voll auf ihre Kosten kommen. Das Programm „Alles Klassik!“ vereint die Neuerer und Großen dieser Zeit, beginnt bei dem vorklassischen Opern-Reformer Christoph Willibald Gluck und nähert sich über die Wegbereiter in Sachen Konzertsinfonie, Johann Stamitz, und beschwingter Oper, Antonio Salieri, den Wiener Klassikern Mozart und Beethoven. Die Leitung hat der junge Dupree, der aus der Klavierklasse der Karlsruher Professorin Sontraud Speidel stammt, vielfacher Preisträger, Stipendiat und inzwischen international gefragt ist.

Zunächst konzentriert er sich ganz aufs Dirigat: Schwungvoll und präzise leitet er das mit zwei Hörnern und zwei Oboen aufgestockte Streichorchester bei Glucks Ouvertüre zur Oper „Alceste“. Prägnant sind die Laut-Leise-Effekte, geschmeidig das Spiel der Holzbläser, leidenschaftlich die schnellen Passagen.

An Liebreiz kaum zu überbieten

Bei Stamitz’ Sinfonia pastorale op. 4 Nr. 2 heben sich die Hörner im ersten Satz ab, idyllischen Liedcharakter hat das rein streicherbesetzte Larghetto. Spritzig, leicht und graziös wird es bei Salieris Sinfonia veneziana D-Dur, die aus zwei Opern-Ouvertüren zusammengestellt ist. Der zweite Satz ist an Liebreiz kaum zu überbieten, das Tänzerische schwingt dann im Schlusssatz mit.

Der Applaus nach dem ersten Satz zeigt die Irritation des Publikums, die vom Tausch des Stücks mit Mozarts Rondo im Programm nichts mitbekommen haben. Nun beginnt die Sternstunde des Frank Dupree. Denn seine Doppelrolle als Dirigent und Pianist erfüllt der sympathische Künstler mit Bravour. Mit dem Rücken zum Publikum gibt er dem Südwestdeutschen den Einsatz. Er steht, beugt sich vor, nach links und rechts. Doch kaum verstummen die Streicher und Bläser, setzt er sich ans Klavier, spielt so klar,wie er dirigiert. So verblüfft er immer wieder, reagiert auf das Orchester mit zartesten Tönen, Trillerketten, brillanten Läufen. Und erhebt sich im nächsten Moment als Dirigent.

Wie ein Geben und Nehmen wirkt das Zusammenspiel, bei dem sich Solo- und Orchesterparts häufig abwechseln. Dies ist auch bei Beethovens Klavierkonzert im zweiten Satz der Fall. Den Kontrast, den Dupree hier bewältigt und koordiniert, ist großartig: Mit Kopfnicken und Handgeste fordert er den energischen Rhythmus des Orchesters ein, um auf den Tasten völlig umzuschalten, zu versinken und zu klagen. Virtuos dagegen die Ecksätze mit rauschenden Passagen, klangvollen Arpeggien und Akkorden. Aufbruchstimmung strahlt besonders der Finalsatz aus, der förmlich mitreißt. 2012 erhielt Dupree einen ersten Preis für seine Beethoven-Interpretation als Pianist und Dirigent. Und auch an diesem Abend zeigt er, dass er ein Händchen für alles hat. Auch für die Arabeske op. 18 von Robert Schumann, die er als Zugabe ohne Orchester spielt. Stehende Ovationen für ein überwältigendes Konzerterlebnis. Dass er auch pädagogisch Einiges drauf hat, beweist Dupree dann am Montag beim musikalischen Besuch im Fritz-Erler-Gymnasium.