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Im Einklang mit der sanierten Steinmeyer-Orgel: Der Pforzheimer Oratorienchor interpretierte unter der Leitung von Heike Hastedt symphonische Musik. 

Französische Romantik prachtvoll entfaltet: Oratorienchor und Organist Christian Stähr in der Stadtkirche

Pforzheim. Orgeln sind Persönlichkeiten und prägen den Kirchenraum, ihre Klänge zeigen dessen Würde. Das gilt auch für die große Steinmeyer-Orgel in der Stadtkirche Pforzheim, die – neu renoviert und technisch verbessert – mit ihrem facettenreichen Klangspektrum beeindruckt.

Ein vom Oratorienchor veranstaltetes und am Wochenende zweimal aufgeführtes Konzert erwies mit „Orgel & Klangsymphonik“ dieser Königin der Instrumente eine besondere Reverenz. Wobei Christian Stähr, von 2014 bis 2015 Leiter des Oratorienchors, als virtuoser Organist die aufgefrischte Klangpracht entfalten durfte. Beleuchtungseffekte in bunt changierenden Farben verliehen dem Instrument auf der Empore stimmungsvollen Glanz.

Wuchtige Klangmassen

Das Zentrum des Konzerts bildete mit der Aufführung von Charles Marie Widors „VI. Symphonie op.42“ ein besonders prächtiges Werk. Die fünfsätzige Orgelsinfonie eröffnete im „Allegro“ mit wuchtigen Klangmassen, denen sich in rasanten Läufen Triolen-Ketten gegenüberstellten. Nach einem legato gespielten Mittelteil steigerte sich der Orgelklang vom Piano bis zum mehrfachen Forte. Das graziöse „Adagio“ erinnerte koloristisch an Richard Wagner, das „Intermezzo“ interpretierte Stähr mit peitschendem Staccato. Nach dem verträumten „Cantabile“ mündete die farbintensiv registrierte Sinfonie in ein akkordisch geprägtes, jubelndes „Final“.

Das gesamte Konzert widmete sich dem berühmten Komponisten-Dreiklang der französischen Orgel-Romantik: César Franck, Widor und Louis Vierne waren als Organisten in Paris untereinander in Lehrer-Schüler-Verhältnissen eng miteinander verbunden und befreundet. Unter der Leitung von Heike Hastedt führte der Oratorienchor zusammen mit Stähr Viernes „Messe solennelle op.16“ auf, in einer Bearbeitung für Chor und eine Orgel – statt der im Original vorgesehenen zwei. Fast zaghafte, in Einzelstimmen gebotene chorische Melodien wurden im „Kyrie“ aus der Tiefe heraus von tosend anschwellenden, dröhnend von der Orgel untermalten Chören abgelöst und formten eine intensive spirituelle Klangsprache. Im „Gloria“ entwickelte sich ein Dialog zwischen Chor und Orgel, das „Agnus Dei“ klang ruhig und gelassen in der Formel „dona nobis pacem“ aus. Wie bei Vierne, der bei einem Konzert auf seiner Orgelbank in der Pariser „Notre Dame“ verstarb, ist auch Francks Werk durchgehend mit einer schwärmerischen Religiosität verbunden. In der Wiedergabe seines für Orgel und Chor vertonten „Psalm 150“, der das Pforzheimer Konzert mit hoffnungsfrohem Lobpreis Gottes beendete, wurde diese Charakteristik sehr deutlich.