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Sind ein eingespieltes Team: Gabriel Merlino und Vanina Tagini.  Roller
Sind ein eingespieltes Team: Gabriel Merlino und Vanina Tagini. Roller
07.10.2016

Gabriel Merlino und Vanina Tagini bringen den Tango ins Gasometer

Es ist wie eine kurze Reise in das musikalische Herz Südamerikas, wenn man Gabriel Merlino und Vanina Tagini zuhört. Die beiden haben den Rhythmus im Blut und immer ein Lächeln im Gesicht.

Auf Einladung des Folkclubs „Prisma“ sind sie nach Pforzheim in den Gasometer gekommen, um zu zeigen, wie facettenreich der Tango sein kann.

Kunstvolle Symbiose

Fingerfertig spielt Merlino auf seinem Bandoneon. Ein Handzuginstrument, das fest mit dem Tango verbunden ist. Er balanciert es locker auf seinen Knien, zieht es in voller Länge aus und staucht es wieder zusammen. Mal erzeugt er sanfte, zarte Töne. Dann wieder scharfe. Bei ihm geht der traditionelle Tango eine kunstvolle Symbiose ein mit modernen Einflüssen wie Jazz und Blues.

Zu Beginn des Konzerts sitzt er noch allein auf der Bühne, wirkt fast etwas verloren. Er fängt an zu spielen: ein Medley von Astor Piazzolla, dem Erfinder des Tango Nuevo. Er schließt die Augen und spielt mit viel Lebendigkeit. Dann betritt Tagini in schwarzem Kleid und Netzstrumpfhose die Bühne. Bei „Che Bandoneon“ lässt sich die Sängerin auf einen Dialog mit dem Instrument ein.

Sie beugt sich zu Merlino herunter, kommt seinem Bandoneon ganz nah und schaut genau auf jede seiner Handbewegungen. Ihre Stimme hat Kraft und ist voller Gefühl. Tagini kann sich gut bewegen, unterstreicht ihren Gesang mit ausdrucksstarken Gesten und zweideutigen Blicken. Das ist Leidenschaft pur. Mit ihren Liedern erzählen die beiden die Geschichte eines Mannes, der nach 30 Jahren zurück in sein Elternhaus kommt. Oder sie entführen ihre Zuhörer nach Peru, Argentinien, Brasilien. Und in das Buenos Aires der 1940er-Jahre, als der Tango seine Blütezeit hatte. Sie erinnern auch an die Wurzeln des traditionellen Tangos, der vor rund hundert Jahren in den Bordellen der Großstadt seine Geburtsstunde hatte.

Das Publikum spendet viel Beifall. Im zweiten Teil des Abends legen rund 20 Tänzer der Pforzheimer Gruppe „Tango loco“ eine flotte Sohle aufs Parkett.