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Künstlergespräch und Katalogpräsentation im Kunstverein: Janusz Czech und Bettina Schönfelder (rechts) vor interessierten Zuhörern, Freunden und anderen Kreativen im Reuchlinhaus. Meyer
Künstlergespräch und Katalogpräsentation im Kunstverein: Janusz Czech und Bettina Schönfelder (rechts) vor interessierten Zuhörern, Freunden und anderen Kreativen im Reuchlinhaus. Meyer
24.09.2018

Gespräch mit Janusz Czech zur Ausstellung im Kunstverein Pforzheim

Pforzheim. Eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit Architektur, Politik und Gesellschaft sucht die erste große Einzelausstellung von Janusz Czech im Kunstverein Pforzheim im Reuchlinhaus.

Unter dem Titel „Sight, Seeing, Society“ zeigt der in Pforzheim aufgewachsene und in München arbeitende Künstler noch bis Sonntag, 7. Oktober, Installationen, Objekte und Fotografien. Am vergangenen Sonntag hat sich Czech im Gespräch mit Kunstvereinsleiterin Bettina Schönfelder darüber unterhalten, was ihn antreibt und wie er vorgegangen ist.

Im Zentrum stand das vor zehn Jahren gestartete Langzeitprojekt „Sightseeing“, das weite Teile des Kubus einnimmt. Mehr als 40 Fotografien setzen die Wahrzeichen bedeutender Städte ungewöhnlich in Szene. Ob der Eiffelturm in Paris oder die Quadriga des Brandenburger Tors – mit reduzierter, atmosphärischer Bildsprache und an der Malerei orientiert, rückt der 43-Jährige die zentralen Motive an den Rand. Damit unterläuft er gängige Darstellungen auf Ansichtskarten und Urlaubsfotos, aber auch die oft geordneten Strukturen von Architekturfotografie. Stattdessen nimmt der Himmel den meisten Raum ein.

Die Idee zur Foto-Serie sei ihm bei einer Reise gekommen. Viele Orte habe er dann gezielt besucht, teils im Rahmen von Stipendien. „Ich wollte den politisch-historischen Subtext der Gebäude hinterfragen. Es brauchte jedoch Jahre, um zu sehen, ob die Bilder auch in künstlerischer Sprache funktionieren“, erläutert Czech. Trotz vieler Recherchen habe er häufig erst vor Ort Dimensionen und geschichtliche Hintergründe richtig verstehen können. „Ich finde es interessant, mich vom Dokumentarischen zu entfernen, die Stimmungen aufzunehmen, ein Detail ins Bild zu setzen und zu isolieren, um zum Nachdenken anzuregen und Dynamik in die Serie zu bringen.“ Obwohl Fotografie zum Massenmedium geworden und das Internet mit Bildern geflutet ist, war Czech tatsächlich unterwegs. So konnte er intuitiv entscheiden, was das Motiv ergeben könnte und ob er in Farbe, schwarz-weiß, digital, analog oder im Mittelformat fotografiert.

Schönfelder und Czech haben beim Künstlergespräch auch den druckfrischen Katalog zur Ausstellung vorgestellt. Die Förderung der Werner-Wild-Stiftung Pforzheim ermöglichte die Publikation. Sie umfasst 96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und mehreren Texten: Schönfelder analysiert die Ausstellung. Ana Kugli, zweite Vorsitzende des Kunstvereins, stellt spannende Bezüge zu Bertolt Brecht her, und Deyan Sudijc, Direktor des Design Museums in London, setzt sich mit der Macht und zerstörerischen Kraft von Architektur auseinander.

Janusz Czech: Sight, Seeing, Society“. agora42 Verlagsgesellschaft, 96 Seiten, 25 Euro.