In Remchingen zeigen Frank Düpree (Piano), Julia und Valentin Ungureanu (Geigen), Paulina Sofie Kiss (Bratsche) und Julian Bachmann (Cello), was in Johannes Brahms‘ Komposition steckt. Foto: Molnar
Kultur
Gesprächskonzert von pro arte widmet sich dem Sternchenthema im Fach Musik
  • Anita Molnar

Die Kulturhalle voller Schüler – ein Anblick, der bei klassischen Konzerten nicht allzu oft zu erleben ist. Obendrein fünf junge Musiker auf der Bühne, die an der Musikhochschule Karlsruhe studieren. Das pro-arte-Sonderkonzert in Remchingen, das sich an Abiturienten, aber auch an Liebhaber richtet, ist von jugendlichem Flair geradezu übersät. Und das, obwohl nur ein einziges Stück auf dem Programm steht, ein höchst komplexes noch dazu.

Die Rede ist vom Abitur-Sternchenthema des Jahres – Johannes Brahms‘ Klavierquintett op. 34 in f-Moll. Die meisten Zuschauer belegen das Fach Musik im Leistungskurs, manche wollen Musik studieren. Ein lehrreiches Konzert mit Einführung, Moderation und Publikumsgespräch könnte als Vorbereitung auf das Abitur kaum besser sein, zumal Brahms und sein zweimal umgearbeitetes Stück mit seinen sinfonischen Zügen und der Fülle an Themen anschaulich präsentiert wird.

Biografische Informationen

„Brahms war ein Perfektionist“, erzählt die Musikjournalistin und Moderatorin Tabea Süßmuth. Drei Jahre hat er für das Klavierquintett gebraucht (1862-64), das ursprünglich als Streichquintett und Sonate für zwei Klaviere komponiert war. Was Brahms‘ Freunde – der Geiger Joseph Joachim und die Pianistin Clara Schumann – jeweils davon hielten, werfen die Remchinger Interpreten ein – mit Zitaten und Klangbeispielen.

Um etwa die orchestrale Klangfülle der Endfassung zu demonstrieren, spielen Frank Düpree (Klavier), Julia und Valentin Ungureanu (Violine), Paulina Sofie Kiss (Viola) und Julian Bachmann (Violoncello) einige Takte ohne, dann mit Klavier. Auch die Hauptthemen der vier Sätze werden vorgestellt, bevor das 45-minütige Werk ohne Unterbrechung erklingt. Bemerkenswert ist vor allem, wie die Gegensätze ausgelotet werden, das Kraftvolle neben der Klage im Kopfsatz oder die Dramatik, Lyrik und Schnelligkeit im Finale.

Das Ensemble ist gut abgestimmt, das Scherzo wirkt energie- und spannungsgeladen, behutsam indes der sangliche langsame Satz. Agil und gefühlvoll besonders die erste Geigerin und der Cellist, die immer wieder schöne Dialoge führen, einfühlsam und druckvoll der Pianist. Aufschlussreich auch die Fragen am Schluss. Nur eine einzige zu Brahms von einem kleinen Jungen, der wissen will, wie viele Werke dieser komponiert hat. Alle anderen beziehen sich auf die Interpreten, wie deren Proben ablaufen, welche Musik sie hören – und ob sie singen können. Von Brahms haben die jungen Zuschauer offensichtlich genug gehört – ein ungewöhnlicher Konzertabend.