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Giora Feidman weiß einmal mehr mit viel Gefühl zu überzeugen. Foto: Fotomoment
Giora Feidman weiß einmal mehr mit viel Gefühl zu überzeugen. Foto: Fotomoment
17.07.2017

Giora Feidman und Gitanes Blondes bei Maulbronner Klosterkonzerten

Maulbronn. Ganz leise, ja hauchzart spielt Giora Feidman auf seinem Instrument „Hava Nagila“, die zur zweiten Nationalhymne Israels gewordene jiddische Hora: „Kommt, lasst uns fröhlich sein“. So zieht der schon zu Lebzeiten legendäre Klarinettist in den Kreuzganggarten des Maulbronner Klosters ein, wo sich zum zweiten Mal an diesem Wochenende viele Menschen versammelt haben, um populäre Musik zu hören, die von klassisch ausgebildeten Vollblutmusikern atemberaubend klangschön vorgetragen wird.

Und es gibt eine Verbindungslinie zum „German Brass“-Konzert vom Vorabend: Das Klarinetten-Glissando am Anfang von Gershwins „Rhapsody in Blue“, die von den Blechbläsern interpretiert wurde, ist ein echtes „Klezmer“-Element. Feidman versteht sich als „Klezmer“, als einer jener fahrenden, jüdisch-bessarabischen Spielleute, die bis zur Katastrophe der Shoa zusammen mit Roma-Musikanten im südosteuropäischen „Schtetl“ zu Hochzeiten und anderen Festen mit heiteren Volkstänzen und klagenden Melodien für Kurzweil sorgten.

Feidman verkörpert wie kein anderer diese Tradition, diesen zwischen Melancholie und fröhlicher Ausgelassenheit changierenden Musizierstil. Keiner beherrscht die wehmütig leisen Töne, die Schluchzer, die Triller, die sich schrill aufbäumenden Tonakzente der „Hora“, des „Bulgar“ oder der „Feylekhs“ besser als er. Das stellte der 81-Jährige nicht nur in Stücken wie der sehnsüchtigen „Metro hora“ oder der wilden, lockigen „Hora ondulata“ zusammen mit seinen Musikerfreunden unter Beweis.

Diese mit ihm aufspielenden Freunde sind die „Gitanes Blondes“ – der exzellente Geiger und Klezmer-Kompositeur Mario Korunic, der Akkordeonspieler Kon-stantin Ischenko, der mit unglaublich leichthändiger Virtuosität auftrumpft, und der mit feiner Einfühlung begleitende Gitarrist Christoph Peters sowie Kontrabassist Simon Ackermann, der sein Saitenspiel unerhört rein und weich einbringt.

Feidman ist mit seinem englisch-deutschen Kauderwelsch jedenfalls ein wirklich charmanter Plauderer – und die frisch und frei erstrahlende Musik hat eine versöhnende Botschaft. Giora Feidman und seine Band sind Botschafter, die ihre Versöhnungsaufrufe mit ungestümer Musizierfreude mitteilen.