nach oben
Hat Generationen von Musikern fürs Gitarrespielen begeistert: Peter Bursch. Foto: Kliewe
Hat Generationen von Musikern fürs Gitarrespielen begeistert: Peter Bursch. Foto: Kliewe
Juliane Werding singt 1972 „Am Tag als Conny Kramer starb“. Damals hat Bursch ihr Zupftechniken gezeigt. Foto: Baum
Juliane Werding singt 1972 „Am Tag als Conny Kramer starb“. Damals hat Bursch ihr Zupftechniken gezeigt. Foto: Baum
„Der guckt sich das ab und kann’s sofort – ein Universalgenie“, so Bursch über Helge Schneider. Foto: Ossinger
„Der guckt sich das ab und kann’s sofort – ein Universalgenie“, so Bursch über Helge Schneider. Foto: Ossinger
„Unheimlich nette Leute.“ Mit den Scorpions spielte Bursch einst als junger Musiker im selben Studio. Foto: Hollemann
„Unheimlich nette Leute.“ Mit den Scorpions spielte Bursch einst als junger Musiker im selben Studio. Foto: Hollemann
08.05.2019

„Gitarrenlehrer der Nation“: Peter Bursch gibt Workshops in Pforzheim

Pforzheim. Ganze Generationen von Musikern sind es, die sich mit seinem gelben, comicartigen „Gitarrenbuch“ das Instrument selbst beigebracht haben. Das legen allein die Verkaufszahlen nahe. Peter Burschs Klassiker ist seit fast 45 Jahren in diversen Auflagen mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft worden. Das Geheimnis seines Erfolgs: „Ich habe eine Didaktik entwickelt, das Gitarrespielen ohne Noten zu lernen. So geht das viel einfacher“, sagt er. Bei sechs Saiten müsse man sechs Noten übereinander schreiben. „Eine unglaubliche Denkarbeit, bis man das begreift.“

Die Idee zur Methode kam ihm in den USA: Er sei dort getourt und habe gesehen, wie Blues-Musiker sich Zahlen aufschreiben. Sie geben an, welcher Bund einer Saite gegriffen werden muss. Man kann also direkt ablesen, was man spielt. Diese Tabulatur, so der Fachbegriff, sei wie eine andere Sprache. Und weniger kompliziert.

„Musik soll Spaß machen“

Das Lernen ohne Noten ist umstritten. Musikschulen verfolgen meist einen anderen Ansatz. „Meine ersten Bücher wurden noch unterm Ladentisch verkauft. Damals war die Klassikszene führend, alles ohne Noten kam nicht infrage“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Sein Ansatz verspreche jedoch schnelle Erfolgserlebnisse. „Schon nach ein paar Minuten können selbst absolute Neulinge erste Lieder spielen“, sagt Bursch auch mit Blick auf die Kurse, die er am Donnerstag in Pforzheim bei music-city Steinbrecher gibt.

„Ich will den Leuten Mut machen und zeigen, wie leicht es ist.“ Schließlich gebe es über 100 bekannte Songs, die teils mit dem einfachsten Griff der Welt gespielt werden, für den man nur einen Finger einsetzt. Nummern wie „Chain Of Fools“ oder „Who Do You Love“ von Johnny Winter. Da komme es auf die Rhythmik an.

Auch Titel von Eric Clapton hätten die Schüler nach kurzer Zeit drauf. Und mit vier Griffen könne man die Hitparade rauf und runter spielen, kreativ werden, ausprobieren. „Musik soll Spaß machen“, so das Credo des Mannes, der in Duisburg eine Gitarrenschule betreibt. Dass er diese mit seinen Büchern ein Stück weit überflüssig macht, sieht er nicht so. Das eine unterstütze das andere.

Bursch ist Autodidakt, nahm selbst nie Unterricht. Als kleiner Junge sah er bei den Pfadfindern, wie jemand Gitarre spielt. Sein älterer Bruder besaß eine, machte aber nichts draus. „In den 60er-Jahren ging ich bei uns im Ruhrgebiet in Clubs. Von Beat- und Rock’n’Roll-Bands habe ich mir alles abgeguckt.“ Was er sich beibrachte, konnte der „unruhige Geist“ schon immer anderen gut zeigen. „Ich sehe die Fragezeichen in den Köpfen der Leute und weiß, wie ich es erklären muss.“ Der Musiker Bursch gründete die Krautrock-Formation Bröselmaschine, später war er Studiogitarrist bei BAP und den Bläck Fööss.

Bis heute kommen immer wieder Bands auf ihn zu, die ihm sagten: „Wenn Du nicht gewesen wärst mit deinem Buch, würden wir hier nicht stehen.“ Mit den Scorpions habe er einst im selben Studio gespielt. „Rudolf Schenker hat mich gebeten, ihm ein paar Sachen zu zeigen. Die Musiker sind clever, die machen direkt einen Hit draus.“ Balladen wie „Holiday“ seien nach seinen Impulsen entstanden. Auch die Toten Hosen und Helge Schneider hätten sich Tipps abgeholt, heute seien sie befreundet. Selbst der Rammstein-Gitarrist habe schon ein Autogramm verlangt. Bursch freut sich über all die Rückmeldungen. „Ein tolles Gefühl.“

music-city Steinbrecher feiert mit großem Programm

50 Jahre music-city Steinbrecher – das feiert das Pforzheimer Fachgeschäft an der Östlichen 36 mit großem Programm. Los geht es mit den Gitarren-Kursen mit Peter Bursch: um 15 Uhr für Kinder und Jugendliche, um 16.30 Uhr für Erwachsene, um 18 Uhr für Fortgeschrittene, um 19.30 Uhr beim Mitmachkonzert. Anmeldung unter (07231) 15 43 90 oder E-Mail an info@musik-city.de. Es folgen diverse Events. Zu den Höhepunkten zählt am Samstag, 12 Uhr, der E-Geigen-Workshop im Löwensaal Nöttingen mit der studierten Orchestermeisterin Ally Storch, die bei Subway to Sally und ihrer Band Metal Core spielt. Abends gibt sie dort ein Konzert. Vom 14. bis 17. Mai gibt es Keyboard-Workshops mit sechs Dozenten. Frank Steinbrecher erwartet Besucher aus ganz Deutschland. Lokale Dozenten widmen sich am 25. Mai Ukulele und Cajon. Am 20. Juli startet das Sommerfest.