Eine Besucherin der Mitmach-Ausstellung „himmelwärts“ sieht sich im Stuttgarter Haus der Wirtschaft einen Nachbau des Satellitenprojekts Gaia an. Foto:Weißbrod/dpa/Haus der Wirtschaft
Mit dem Nachbau eines Keplerschen Fernrohrs lassen sich Erfindungen des berühmten Forschers nachvollziehen. Foto:Weißbrod/dpa/Haus der Wirtschaft
Ein Nachbau einer Rechenmaschine des Mathematikers Wilhelm Schickard für Johannes Kepler aus dem Jahr 1624. Foto:Weißbrod/dpa/Haus der Wirtschaft
Keplers Modell des Sonnensystems aus „Mysterium Cosmographicum“ von 1596. Foto:Weißbrod/dpa/Haus der Wirtschaft
Kultur
Haus der Wirtschaft zeigt Mitmach-Ausstellung überJohannes Kepler
  • Martin Oversohl und Sandra Päffflin

Stuttgart. Johannes Kepler zählt zu den Begründern der modernen Naturwissenschaften, er gilt als ein Pionier der neuzeitlichen Astronomie. Er entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung und löste damit ein Rätsel, das die Menschheit mehr als 4000 Jahre lang beschäftigt hatte. Mit seinen „Keplerschen Gesetzen“ schuf er im frühen 17. Jahrhundert die Grundlage zur Berechnung der Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne. Und dennoch wird das Schaffen Keplers auch 450 Jahre nach seinem Geburtstag unterschätzt, meinen Wissenschaftler – und widmen dem Astronomen und Naturphilosophen eine neue Ausstellung in Stuttgart.

Unter dem Titel „himmelwärts“ befasst sich die Sammlung nicht nur mit der Biografie und den Erfolgen Keplers (1571–1630). Sein Werk wird auch eingeordnet in die Zeit seines Wirkens, außerdem folgt die Ausstellung den Einflüssen Keplers bis in die moderne Raumfahrt. Wie lässt sich mit Hilfe eines Jakobsstabs die Position eines Sterns bestimmen? Wie funktioniert das Kepler-Teleskop? – die Ausstellung demonstriert sogar, wie das Badezimmer nach Keplers Art gekachelt werden kann.

Neben den Experimenten steht Johannes Keplers Leben im Fokus der Schau. Ende 1571 kam er in der damaligen Reichsstadt Weil der Stadt zur Welt. Sein Studium absolvierte er in Tübingen. Gerne wäre er dort Professor geworden, doch wurden Graz, Prag und Linz seine Wirkungsorte. Das war selten freiwillig: Reformation und Gegenreformation, Vertreibung, ausbleibende Gehaltszahlungen, hohe Kindersterblichkeit, Krieg und Hexenverfolgung ermöglichten ihm kein ruhiges Forscherdasein.

Mit Musik und Film

Für Kunstliebende bietet „himmelwärts“ auch neue Werke in der Auseinandersetzung mit seinem bewegten Leben. „Somnium“, eine fantasievolle Bildergeschichte und ein Animationsfilm, greift Keplers Traum von einer Reise zum Mond auf. Musikalisch nimmt die Band Fernbeziehung mit elektronischen Klängen Keplers Fernbeziehung zu den Planeten auf und verbindet sie mit Musik aus Tübingen des 17. Jahrhunderts.

„Die gegenwärtige Astrophysik steht bis heute auf Keplers Schultern“, sagt der Mathematiker Burkhard Kümmerer von der Technischen Universität Darmstadt. „Seine Gesetze der Planetenbewegung halten jede Raumfahrtmission auf Kurs.“ Auch außerhalb des Weltalls sei der Wissenschaftler aus Weil der Stadt wegweisend gewesen. Kepler stehe am Anfang der Festkörperphysik, er habe die moderne Optik begründet und gelte als einer der Väter des mathematischen Teilgebiets der Analysis.

„Er hat Türen geöffnet für die Weiterentwicklung der Mathematik“, sagte Kümmerer. Forschende bauen auf Keplers Erkenntnissen auf, um Exoplaneten und schwarze Löcher nachzuweisen. Für diese Nachweise gab es zuletzt 2019 und 2020 Nobelpreise. Die Ausstellung ist kuratiert worden von Mitgliedern des 5. Physikalischen Instituts der Universität Stuttgart, der Kepler-Gesellschaft Weil der Stadt sowie der Technischen Universität Darmstadt.

Die Ausstellung „himmelwärts“ ist bis 26. Februar im Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Straße 19, Stuttgart zu sehen. Sie ist montags bis samstags, 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Auch das Stadtmuseum Tübingen widmet Johannes Kepler bis 24. April eine Schau. www.kepler-gesellschaft.de.