Noch nie öffentlich zu sehen war das Ölgemälde „Speedy als Madonna“ von Rudolf Schlichter, Öl auf Leinwand (vermutlich 1930er-Jahre). Foto: Volz
Links „Ehen werden im Himmel geschlossen“ von Richard Ziegler (Öl auf Leinwand, 1925), rechts „Bert Brecht“ von Rudolf Schlichter (Reproduktion, Original 1926). Foto: Volz
„Der Artist, Selbstbildnis mit Katze“ von Kurt Weinhold (1955/61). Foto: Volz
Kultur
Hesse-Museum in Calw zeigt Werke von Schlichter, Weinhold und Ziegler
  • Uta Volz

Calw. Drei Künstler, die in enger Verbindung zu Calw und auch zueinander standen, präsentiert das Calwer Hesse-Museum in der Ausstellung „Durch den Filter der Seele“.

In verschiedenen Themenräumen werden Werke von Rudolf Schlichter, Kurt Weinhold und Richard Ziegler gegenübergestellt und erlauben so den Vergleich von Inhalten, Stilistik und Aussagen. In der von Ute Lilly Mohnberg kuratierten Schau gibt es viel Neues zu entdecken: Bilder, die noch nie ausgestellt waren, Neuerwerbungen und Schätze aus den Beständen der Stadt Calw sowie zahlreiche Leihgaben. Oberbürgermeister Ralf Eggert verwies bei der Eröffnung darauf, dass Calw ein reiches künstlerisch-kulturelles Erbe habe, das es zu bewahren und zu pflegen gelte. Der Ausstellung maß er überregionale Bedeutung bei.

Alle drei Künstler werden der „Neuen Sachlichkeit“ zugerechnet, einer Stilrichtung der 1920er- und 1930er-Jahre, die durch ihre ungeschönten sozialkritischen Beobachtungen bekannt wurde. Es sei eine sehr uneinheitliche Stilrichtung, ein „Paradigma der Weimarer Republik“, sagte Olaf Peters von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Glanzlichter der Schau sind zweifellos die zahlreichen Ölgemälde, allen voran die im Foyer gehängten Künstlerporträts.

Rudolf Schlichter wurde 1890 in Calw geboren und starb 1955 in München. Er studierte in Stuttgart und München und verbrachte mehrere Jahre in Berlin, wo er unter anderem der radikal-revolutionären Novembergruppe beitrat und 1920 seine erste Ausstellung hatte. Mit seiner Ehefrau Speedy verband ihn eine obsessive, von Gewaltfantasien geprägte Beziehung, in der aber auch katholische Frömmigkeit eine große Rolle spielte. Er galt als „entartet“ und wurde mit Malverbot belegt. Schlichter wird zu den wichtigsten Vertretern der Neuen Sachlichkeit gezählt. In Calw ist er vor allem als Meister des Zeichenstiftes zu entdecken. Ein von Unwetter umtostes Porträt seiner Frau Speedy als Madonna (vermutlich aus den 1930er-Jahren) aus dem Besitz der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw war noch nie ausgestellt: Das Ölgemälde wurde in schlechtem Zustand aus dem Nachlass erworben und erst jetzt aufwendig restauriert.

Kurt Weinhold kam 1896 in Berlin zur Welt. Die Familie zog nach Stationen in Essen und Bonn 1911 nach München. Weinhold erhielt keine akademische Ausbildung, sondern wurde von seinem Vater unterrichtet. 1922 heiratete er Margarete Schüz und zog zu ihr nach Calw, wo er bis zu seinem Tod 1965 lebte. Die Zeit der Nationalsozialisten überstand er durch innere Emigration und als Porträtist. Die Ehepaare Schlichter und Weinhold verband in Calw eine enge Freundschaft, bis sich Speedy Schlichter, die zahlreiche Liebschaften unterhielt, an Weinhold heranzumachen versuchte – das Ende der Verbindung. Der stille und eher introvertierte Weinhold, dessen Bilder durch ihre genaue Beobachtung und überlegt eingesetzte Farbigkeit bestechen, will mit eingehender Betrachtung entdeckt werden.

Richard Ziegler, geboren 1891 in Pforzheim und dort 1992 gestorben, studierte Germanistik und promovierte zum Dr. phil. und schlug als Autodidakt eine künstlerische Laufbahn ein. 1925 zog er nach Berlin und beteiligte sich an Ausstellungen der Novembergruppe. 1933 emigrierte er nach Süddalmatien, 1937 nach England. 1962 übersiedelte er nach Mallorca, kam aber jedes Jahr zum Arbeiten und Ordnen seines Werkes nach Calw. Der Stadt Calw überließ er den Großteil seines Œuvres, um es zusammenzuhalten. Von 1989 bis 1992 lebte er in Pforzheim, wo er 1991 mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet wurde. Über alle Bereiche hinweg überzeugt in der Schau vor allem Ziegler mit seiner virtuosen Beherrschung aller Mal- und Zeichentechniken.