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Proppevoll ist es beim Gastspiel von Black Sea Dahu. Foto: Roller

„Horch“-Konzert mit Black Sea Dahu im alten Schlachthof begeistert das Publikum

Pforzheim. Nur spärlich fällt das blaue Abendlicht durch die auf einer Seite des Sheddachs aufragenden Fenster in die langgezogene, schlauchförmig sich ausbreitende Halle. Die Wände sind etwa mannshoch gefliest, von nachträglich aufgesetzten Stromleitungen und Lampen überzogen, von Fenstern und Türen in unregelmäßigen Abständen unterbrochen.

Der Boden ist kalt, aus Beton, mit einer rundlichen Vertiefung in der Mitte. Die Farbe blättert langsam ab, auf den Fenstersimsen liegt dunkelbrauner Staub, in dem einige Fingerabdrücke erkennbar sind. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen hier Tiere geschlachtet wurden. Am Dienstagabend erklingt hier Musik, die langsam durch die Halle wabert oder sich mit ungestümer Energie bis in jede Ecke des in den 1950er-Jahren gebauten und jetzt verlassenen Gebäudes auszubreiten scheint.

Die sechs Mitglieder von Black Sea Dahu bringen Leben in die alten Gemäuer – mit Liedern, die die Fantasie anregen und zum Träumen einladen. Den Zuhörern beim 17. von der Pforzheimer Musikerinitiative auf die Beine gestellten „Horch“-Konzert präsentieren die aus Zürich kommenden Musiker bunte Klangkaleidoskope. Ihre Musik hat Substanz, bleibt in Erinnerung. Die Texte sind mitten aus dem Leben gegriffen, die Melodien eingängig, aber nicht anbiedernd. Die von Sängerin Janine Cathrein geschriebenen Songs tragen Titel wie „White Creatures“ und „In Case I Fall For You“.

Genregrenzen gesprengt

Während draußen vor dem Gebäude in Tonnen das Feuer knistert, verbindet sich im Inneren handgemachte Musik mit sphärischen Klängen und lässt etwas entstehen, das Genregrenzen sprengt – zwischen Reggae, Synthie-Pop und Indie-Folk. Black Sea Dahu machen Musik, die den Wechsel zwischen schnell und langsam, zwischen laut und leise bewusst inszeniert. Janine Cathrein hat eine kräftige, ausdrucksstarke Stimme, die gut Gefühle transportieren kann – besonders dann, wenn sie ganz alleine singt, nur von sich selbst auf der Akustikgitarre und Simon Cathrein am Cello begleitet. Dann entstehen intensive und intime Momente. Zwischen den Liedern erzählt sie ihrem Publikum kleine Geschichten, lässt ein Gästebuch zum Eintragen durch die Reihen wandern und ermutigt dazu, den eigenen Träumen nachzugehen. Auf tosenden Applaus folgt die rein akustisch gespielte Zugabe.

Früher am Abend, quasi als Opener, steht Nick Furrer auf der Bühne. Er nennt sich Haubi Songs und macht minimalistische Musik mit starken Synthesizer-Effekten, die irgendwie außerirdisch klingt: ein ganz kleines bisschen wie Yello oder Kraftwerk. Wummernde Bässe und verzerrte Stimmen dringen durch die langgezogene Halle des alten Schlachthofs – und verhallen.