Pforzheim. Eine ganz besonders Ausstellung ist ab diesem Donnerstag in der KF Galerie zu sehen. Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse des Reuchlin-Gymnasiums haben sich unter Leitung von Künstlerin Davina Wiesner mit der eigenen Lebenswirklichkeit auseinandergesetzt und beeindruckende Kunstwerke geschaffen.
„In my delulu era“ – so der von ihnen selbst gewählte Titel der Ausstellung – verortet sich in der Slangsprache der Internetkultur. „Delulu“, abgeleitet vom englischen Begriff „delusional“, bedeutet so viel wie wahnhaft und beschreibt laut Wikipedia, ironisch und humorvoll den Art Menschen, der unrealistische Hoffnungen und Ansichten hat.
Ganz so streng ist die Interpretation der Pforzheimer Schüler nicht. Vielmehr führen sie den Gedanken weiter und versuchen sie über ihre Kunst, an vermeintlich unrealistischen Träumen festzuhalten und aus der Welt eine bessere zu machen.
„Jeder von uns hat das Thema anders umgesetzt“, sagt Sam Huttelmaier, der im vergangenen Jahr Bundespreisgewinner des Europäischen Wettbewerbs war. Gleich drei Bilder von ihm sind zu sehen. Eines stellt eine junge Frau mit ausladendem Dekolleté dar, anstelle ihres Gesichts klafft ein schwarzes Loch, das mit einem roten Herz versehen ist.
„Wenn man sich in jemanden verliebt, verliert man sich häufig komplett in dieser Person“,
erklärt der junge Künstler. Die Schwärze in seinem Bild mache dies deutlich.

Neben Herzensangelegenheiten dominieren dystopische Motive die Ausstellung. Richard Trautz etwa hat in seinem Bild Klimakrise und Gentechnik verarbeitet. Man sieht ausgemergelte Menschen, die sich mit stumpfem Blick nach leeren Plastikflaschen recken. Eine düstere Zukunftsprognose, die an den Betrachter appelliert, zu handeln.
Die Schüler fühlen sich geehrt, dass sie in den Räumlichkeiten der KF Galerie ausstellen dürfen. Solche Gelegenheiten sind rar. Hier werden sie als Künstler ernst genommen und „nicht nur bewertet“, meint Schülerin Marilyn Janke. Es motiviert sie, dass sie auf diese Weise in ihrer Kreativität bestätigt werden. Voller Eifer erklärt zum Beispiel Emily Brötzel ihr Stillleben, das sie „Welt in Gefahr“ nennt. Verschiedene Brauntöne dominieren das Bild wie „kurz vor dem Herbst“, die Welt steht vor dem Untergang – doch die Prophezeiungstinte, mit der man die Geschichte noch umschreiben kann, könnte sie retten.
Freiheit ist das Thema von Ecrin Cinar. In ihrer Arbeit zeigt sie die bröckelnde Verbindung zwischen den USA und Europa. „Die Dinge, die Freiheit ausmachen, werden begrenzt“, sagt sie. Das wolle sie aufzeigen.
„In my delulu era“ ist von Donnerstag, 5. März, bis Freitag, 17. April, in der KF Galerie, Kaiser-Friedrich-Straße 102, zu sehen. Vernissage: 5. März, 19 Uhr. Anmeldung unter: 07231/39785-203.

