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17.02.2016

Ingrid Bürger stellt Kunstwerke im Landratsamt Enzkreis aus

Pforzheim. Der Koffer ist voll von Erinnerungen – oder von „Seligkeiten vergangener Zeiten“, wie Marlene Dietrich in ihrem Lied „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ sang. Dies könnte auch auf die Installation „Fremd Sein – Da Sein“ von Ingrid Bürger zutreffen, die Teil ihrer Ausstellung „Papier – Schöpfungen“ im Landratsamt des Enzkreises ist. Sechs verschieden große Koffer aus handgeschöpftem Papier liegen dort übereinandergestapelt, wirken verschlissen und vergänglich. „Sie sind Sinnbild der Reise, des Abschieds und Ankommens“, sagt Kunsthistorikerin Regina Fischer bei der Vernissage.

Weitere Papierköfferchen sind zu entdecken – diesmal geöffnet und prall gefüllt mit vergilbten Büchern („Geheimes Wissen“), wellenförmigem Sand oder blauen Meereswogen („Ferienträume“). Wie eine Schatzkiste wirkt auch das „Schubladenwissen“, bestehend aus sechs randvollen Fächern mit bläulichen, alt aussehenden Buchrücken.

Bürger geht es bei ihren Papierkunstwerken um Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit – und darum, aus Altem etwas Neues zu machen. Wie bei der Installation „unsterblich – sterblich“, bei der ein vervielfältigter Stahlhelm aus Moospapier mit Wespenwaben verarbeitet wurde. Das selbst hergestellte, teils gefärbte Naturpapier der Neuenbürger Künstlerin habe eine ungeheure Lebendigkeit, so Fischer, werde als skulpturales Material oder für Abdrücke verwendet. Zu den neusten Arbeiten gehört etwa der 70-teilige „Tanz in Tasacorte“: Hier hat Bürger die Schoten einer Akazienart, die sie auf La Palma gefunden hat, in Papierbrei gepresst, mit Wachs behandelt und mit Acrylfarben kräftig eingefärbt.

Deutliche Strukturen

Faszinierend auch die sechs Collagen, bei denen Pflanzenpapiere aus Moos oder Birkenrinde auf Fotografien deutliche Strukturen hinterlassen. Was Bild und was Naturmaterial ist, wird nicht sofort ersichtlich: „Es soll irritieren“, sagt die 74-jährige Künstlerin, die auch Denkmäler aus dem Raum Neuenbürg nachgebildet hat. Landrat Karl Röckinger sprach – in Anspielung auf Bürgers Nachname, der für Qualität bürge – von einer „schönen Form der Bürgerbeteiligung“.