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Lotet das Potenzial und die Bandbreite des Handzuginstruments aus: Raquel Gigot spielt mit großer Leidenschaft.  Fotos: Frommer 
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Raquel Gigot, Kaya Meller, Inga Piwowarska und Servais Haanen (von links). 
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Im musikalischen Dialog: Jan Budweis und Johanna Stein. 

Internationales Festival im Kulturhaus Osterfeld huldigt dem Instrument

Pforzheim. Musiker demonstrieren ausdrucksstarke Klangfarben. Der schillernde Star des Abends? Die Hand- oder Ziehharmonika. Vielen auch als Schiffer- oder Maurerklavier geläufig. In den Alpen als Quetsche oder Ziachorgel, scherzhaft bisweilen auch als Spelunken-Krokodil – an unterschiedlichen Namen mangelt es dem Akkordeon ebenso wenig wie an ausdrucksstarken Klangfarben und weltweiter Verbreitung.

Wer das vergessen haben sollte, wird vom niederländischen Soundfeinschmecker Servais Haanen alle Jahre wieder im Rahmen der Akkordeonale daran erinnert, welch enormes Potenzial in dem Handzuginstrument steckt. Er ist bereits zum elften Mal mit Könnern des Akkordeons auf Tournee. 36 Gastspielorte, darunter das Kulturhaus Osterfeld, besucht er 2019 mit sechs, sieben Gleichgesinnten. In Pforzheim lockt das rund 200 begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer in den Konzertsaal.

Für die aktuelle Tournee hat Haanen vier Akkordeonisten und zwei Begleitmusikerinnen aus aller Welt verpflichtet. Deren Auswahl trifft er, so Haanen im PZ-Gespräch, mit Hilfe von Sucheingaben, YouTube-Clips und sozialen Netzwerken – wie beispielsweise Inga Piwowarska aus Polen, Anatol Eremciuc aus Moldawien (beide Akkordeon) oder die junge Jazztrompeterin Kaya Meller, die im Osterfeld die markanten Klänge des Flügelhorns beisteuert.

Andere Musiker der elften Akkordeonale kennt er bereits seit einigen Jahren: So beispielsweise aus Berlin Jan Budweis (diatonisches Akkordeon), aus Köln die versierte Cellistin Johanna Stein und Raquel Gigot (Akkordeon) aus Brüssel. Sie vertritt die kurzfristig erkrankte Texanerin Ginny Mac nach nur neun Tagen Vorbereitung erstklassig. Das Publikum im Kulturhaus feiert sie rasch mit ihren schwungvollen Musette- und Java-Stücken – darunter auch Edith Piafs „L’accordeoniste“.

Für ein weiteres, doch stilistisch ganz anderes Highlight sorgt die junge und klassisch ausgebildete polnische Akkordeonistin Inga Piwowarska mit Haydens Sonate in e-Moll: „Ursprünglich für Klavier geschrieben“, merkt Servais Haanen in seiner Anmoderation humorvoll an, nicht ohne den Zusatz: „Aber nur, weil es im 18. Jahrhundert noch keine Akkordeons gab.“

Die Musiker treten bei der Akkordeonale solo oder in wechselnden Formationen auf, Haanen und Meller tragen in der ersten Konzerthälfte beispielsweise die den Wasseradern der Insel Madeira gewidmete Haanen-Komposition „Levada“ vor; Jan Budweis und Meller zelebrieren im zweiten Set gemeinsam die ebenfalls vom Publikum mit viel Beifall aufgenommene Mazurka „J.W.D“. Für einen Schluss mit Ausrufezeichen sorgt das komplette Ensemble mit Anatol Eremciucs Stück „Hora moldoveneasca“, einem Tanz der Fröhlichkeit, der Leichtigkeit und der Gemeinsamkeit. Zwei Zugaben bringen Mellers jazzige Komposition „Reflections“ und die Polonaise in A-Dur von Frederic Chopin. Dies zeigt nochmals die gesamte musikalische Bandbreite der Akkordeonale.