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Statt im „Tatort“ auf der Klosterbühne: Jan Josef Liefers singt in Hirsau. Foto: Roller
Statt im „Tatort“ auf der Klosterbühne: Jan Josef Liefers singt in Hirsau. Foto: Roller
31.07.2018

Jan Josef Liefers und seine Band Radio Doria begeistern beim Calwer Klostersommer

Calw-Hirsau. „Schön, dass Ihr heute da seid und nichts Besseres vorhabt“, sagt Jan Josef Liefers am Sonntagabend, als er die ersten beiden Songs gespielt hat. Und fügt grinsend hinzu: „Ist ja immerhin Tatort-Zeit.“

Aber der aus Münster, in dem Liefers neben Axel Prahl die Hauptrolle des spießigen Gerichtsmediziners Karl-Friedrich Boerne spielt, läuft am Sonntag sowieso nicht. Stattdessen steht Liefers in Hirsau auf der Bühne des Calwer Klostersommers und macht Musik, mit seiner tiefen, kraftvollen Stimme und zusammen mit seiner vierköpfigen Band Radio Doria. Das kann der Schauspieler nämlich auch – und zwar ziemlich gut.

Zwischen Rock und Pop

Viele ruhige Balladen hat die Gruppe im Gepäck, die ganz locker daherkommen, ohne sich dem Zuhörer aufzudrängen. Und viele flotte Nummern mit eingängigen Melodien, irgendwo zwischen Rock und Pop, in denen das Schlagzeug den Takt vorgibt. „2 Seiten“, der Titelsong der neuen Platte, ist so eine. „Nie egal“ dagegen ist ganz langsam, garniert mit zarten Klavierklängen. Ein Lied, das Liefers auf dem Album zusammen mit Reinhard Mey singt. Wie es dazu kam, erzählt Liefers dem Publikum ausführlich.

Überhaupt erzählt der Schauspieler gerne: Die lustige Geschichte vom „Menschenaffenmann“, von einer Reise in den Iran, von den Heilstätten in Beelitz, einem gruseligen, aber gleichzeitig schönen Ort – und von seinen beiden Omas, von denen er gelernt hat, dass man jemandem helfen muss, wenn man kann. Immer wieder kommentiert der Sänger das Tagesgeschehen, rechnet vor, dass ein Fünfer im Lotto wahrscheinlicher ist als in Deutschland geboren zu werden. Das Publikum hört ihm gerne zu. Bei vielen Titeln klatschen die Zuhörer mit. Später stehen einige auf, um zu tanzen. Auf der Bühne unterstützt Liefers seinen Gesang mit ausladenden Gesten. Die Melodien sind eingängig, die Texte anspruchsvoll.

Song über Calw geschrieben

Es geht um Liebe, ums Reisen, um die Schönheit des Zerfalls, um unbeschreibliche Momente – und um Calw. Denn Liefers und seine Bandkollegen haben extra einen Song über die Geburtsstadt Hermann Hesses gedichtet. Gar nicht so einfach: Was reimt sich schon auf Calw? „Hätten wir gewusst, dass dieses Kloster eigentlich in Hirsau liegt, dann hätte uns das eine Menge erspart.“ Aber das Publikum hätte auch viel weniger zu lachen gehabt. Nach zahlreichen Reimversuchen über Hermann Hesse, die Udo-Lindenberg-Stiftung und die örtlichen Sehenswürdigkeiten kommen die Musiker zu dem Schluss: „Wer es einmal bis nach Calw schafft, der will nicht mehr zurück.“ Und die Calwer wollen Liefers und seine Band auch nicht so schnell gehen lassen: Die Zuhörer erklatschen sich am Ende zwei Zugaben. Und Liefers sagt: „Es war sehr schön hier bei Euch, vielen Dank dafür.“