Portrait Oliver Scherke
Oliver Scherke freut sich auf den Musiksommer mit seinem Publikum – und auf neue Gesichter.
Cikaqi
Kultur
Jazz, Film und Klassik in Pforzheim: Musiksommer soll zum kulturellen Schmelztiegel werden

Oliver Scherke hat ein klares Ziel. „Ich möchte einen Schmelztiegel“, sagt der Bratschist und Leiter der beliebten Kammermusikreihe Pforzheimer Musiksommer – „ein Festival, zu dem auch Leute kommen, die sonst nicht zum klassischen Konzertpublikum gehören“.

Scherke ist Feuer und Flamme, wenn er vom kommenden Musiksommer spricht. Schnell ist vergessen, dass die Pilotausgabe des Musikwinters nicht so erfolgreich gelaufen ist, wie der Festivalleiter es sich gewünscht hätte. Auch wenn das Konzept künstlerisch funktioniert und durchweg auf positive Resonanz gestoßen sei, wirtschaftlich ausgezahlt habe es sich nicht.

„Aufgrund mangelnder Unterstützung vonseiten der Sponsoren und zu geringer Auslastungszahlen würde ich keinen Winter mehr machen. Ich bleibe beim Sommer“, ist er sich sicher und freut sich auf die musikalischen Wochen, die nun vor ihm liegen.

Am kommenden Sonntag, 14. Juni, ist es so weit. „Eine Welle glänzenden Wassers“, mit dem die Konzertreihe im Reuchlinhaus eröffnet wird – thematisch passend zu den aktuellen Ausstellungen im Schmuckmuseum, in denen sich alles um Silber dreht. Pianist Andreas Boyde sowie Solisten des Bayerischen Rundfunks, des Südwestdeutschen Rundfunks und der Stuttgarter Philharmoniker werden Franz Schuberts „Forellenquintett“ zum Besten geben. Auch Scherke wird an diesem Abend zu hören sein.

„Jedes Konzert ist ein Highlight“, ist der Musiker überzeugt. Er freut sich, dass die Werner Wild Stiftung als einer der wichtigsten Unterstützer des Projekts und das Schmuckmuseum ihm die Möglichkeit geben, eine solch abwechslungsreiche Konzertwoche zu gestalten. „Ich bin stolz auf diese Vielfalt“, betont er. Erstmals werden Film und Musik in Kombination erlebbar sein. Auch Jazz ist neu im Programm – gespielt von dem in Pforzheim wohlbekannten Pianisten und Trompeter Sebastian Studnitzky sowie Klarinettist Sebastian Manz.

Das Programm reicht darüber hinaus von Barockmusik bis zu Neuer Musik: Bernhard Hentrich etwa spielt Bach-Suiten auf dem Barockcello, die Mezzosopranistin Cláudia Pereira gestaltet mit der Pianistin Yoonkyung Yuhm und Scherke einen Abend zwischen Oper, Lied und Kammermusik. Die Mandolinistin Denise Wambsganß ist bei einem Vivaldi-Programm zu erleben, Fanie Antonelou, Angela Yoffe und Pavel Khlopovskiy widmen sich gemeinsam mit Scherke dem Komponisten Boris Yoffe. Zum Abschluss kehrt Andreas Boyde mit einem Klavierabend zu den Ballets Russes zurück.

„Ich verbinde dieses Jahr Cineasten mit Jazzmusikfans und Theaterleuten“, sagt Scherke – genau das sei es, was ihm an der Festivalreihe so viel Freude mache: Jazz-, Film- und Kulturinteressierte zusammenzuführen und Klassikfans mit neuer Musik in Kontakt zu bringen. „Ich versuche, Fans zu gewinnen“, meint er lachend.

Das Reuchlinhaus selbst betrachtet der vielseitige Künstler als Ort, an dem verschiedene Künste zusammenkommen. Einen modernen „Musentempel“. „Ich gehe mit dem Festival zurück auf diesen Ursprung“, sagt er.

Wo er das Festival in den kommenden Jahren sieht? Die Zukunft hänge stark von den Förderern ab. „Eine Zusage besteht derzeit bis 2027“, meint Scherke. Eine Idee für das Grundthema hat er bereits: Beethovens Todestag jährt sich im kommenden Jahr zum 200. Mal. „Das diesjährige Programm wird schon schwer zu toppen. Aber Beethoven ist für mich als Musiker der beste Komponist der Welt. Auf ihn fahren schon Teenager ab.“

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