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Jeff Klotz in den neu gestalteten Räumen in Schloss Bauschlott.  Foto: Ketterl 

Kaffeehaus nach Wiener Vorbild mit Galerien im Bauschlotter Schloss

Neulingen-Bauschlott. Fast jeder, der Visionen entwickelt, wird irgendwann einmal auf den Boden der Realität zurückgeholt. Bei Verleger und Kulturmacher Jeff Klotz scheint es, als ob er Ziele und Pläne jedes Mal in Realität münden lässt. Kaum ist die Galerie im Bauschlotter Schloss eröffnet, hat er das größere Ganze im Visier: Nicht nur Galerie, sondern ein kleines Kulturzentrum soll es werden – mit Wiener Kaffeehausatmosphäre. Eine Kraftanstrengung, die sich mit fröhlicher Leichtigkeit präsentiert – Klotz lädt am Sonntag zur Eröffnung.

Es gehört fast schon Unerschrockenheit oder zumindest eine gute Portion Aufbruchsgeist dazu, ein privates Kulturzentrum mit Verlag, Bibliothek, einem Bücherangebot von LiteraDur, Museum, Kunstausstellung und Veranstaltungen im plüschig-gemütlichen Kaffeehaus sowie eine kleine moderne Galerie unter der Leitung von Anina Gröger auf die Beine zu stellen. Diese Art des Zugangs zu Kunst und Kultur ist ein wenig aus der Mode gekommen. Vielleicht ist sie deshalb so attraktiv – eine Tasse Wiener Melange mit Törtchen in den hohen Schlossräumen mit den bunten bleiverglasten Fenstern oder draußen im herrschaftlichen Sommergrün lässt die vielen Bilder gleich weniger kulturell fordernd erscheinen.

„Die Hemmschwelle ist weg“, sagt Klotz in seiner liebenswürdigen Art – da klingt es nicht nur wie eine Feststellung, sondern ein Herzensanliegen. „Das Elitäre muss verschwinden“. Das, so hat er festgestellt, ist auch eine Sache von Nähe: „Hier soll man sich gemütlich aufhalten und ins Gespräch kommen, sich treffen können – ohne Zwänge. Kultur ist ja nicht nur Kunst, sie hat auch einen sozialen Zweck“.

Vorträge und Konzerte

Dieses Konzept hatte sich schon in der Galerie im ersten Stock als überaus erfolgreich erwiesen. Und natürlich lässt sich auch jetzt wieder Kunst betrachten. Die Galerie mit Klotz eigener beachtlicher Sammlung – überwiegend Bilder aus dem 19. Jahrhundert – und vielen wechselnden Leihgaben ist als öffentliches Schloss-Café in das Erdgeschoss gewechselt. Klotz hat nicht nur den eigenen Verlag von Remchingen nach Bauschlott verlagert, sondern auch das ehemalige Café Frohköstlich übernommen und deutlich verändert. Wer möchte, kann dort immer noch die veganen Produkte genießen – aber es gibt auch anderes, inklusive einer kleinen Vesperkarte. Und natürlich eine ganze Reihe von Veranstaltungen: Vorträge – und wie das Cembalo vermuten lässt – auch Konzerte.

Oben stehen Interessierten rund 60.000 Bücher samt einiger Arbeitsplätze zur Verfügung – eine Schatzkammer, die sich zum großen Teil aus geerbten privaten Bibliotheken zusammensetzt. Außerdem zeigt Klotz hier museal mittelalterliche Kunst aus dem Raum Pforzheim.

www.klotz-verlagshaus.de/schloss-bauschlott