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Die Familien der Streicher, Bläser, Trommler und Harfenisten präsentieren sich beim Kinderkonzert im Großen Saal des Stadttheaters. Foto: Molnar
Die Familien der Streicher, Bläser, Trommler und Harfenisten präsentieren sich beim Kinderkonzert im Großen Saal des Stadttheaters. Foto: Molnar
Aus ihrem dicken Märchenbuch liest Schauspielerin Steffi Baur. Foto: Molnar
Aus ihrem dicken Märchenbuch liest Schauspielerin Steffi Baur. Foto: Molnar
16.04.2018

Kinderkonzert „Die Hexe und der Maestro“ im Theater Pforzheim

Pforzheim. Fräulein Harfe lebt ganz allein. Obwohl sie die Schönste im Dorf ist. Tagein, tagaus stimmt sie ihre 47 Saiten. „Kein Wunder, dass sie immer ein bisschen angespannt ist“, liest Steffi Baur aus ihrem dicken Märchenbuch. Die junge Schauspielerin vom Theater Pforzheim erzählt die märchenhafte Orchestergeschichte „Die Hexe und der Maestro“ von Howard Griffiths.

Beim zweiten Kinderkonzert im Großen Haus sind fast alle Zuschauerplätze belegt. Gespannt wandern die Kinder gedanklich mit durch das kleine Dorf, wo lauter Instrumentenfamilien wohnen. Die verschieden großen Streicher etwa, deren Saiten mit 150 Pferdehaaren bespannt sind. „Wundert euch nicht, wenn im Dorf lauter Pferde ohne Schwanz herumlaufen“, sagt Baur in ihrer klaren und kindgerechten Erzählweise.

Frau Oboe, Cousine Querflöte und Großvater Fagott bilden die Holzbläserfamilie. Und im Haus mit den dicksten Wänden leben die Blechbläser, von denen manche vier Meter lang sind, sich aber immer einrollen. Wie es bei den Familien klingt, demonstrieren die Musiker der Badischen Philharmonie, die unter Leitung von Philipp Haag die Komposition von Fabian Künzli spielen – mal mystisch-schaurig, mal pfiffig-leicht.

Während sich die Holzbläser jauchzend über die eitle Querflöte lustig machen, ertönen beim Blech auch mal nur die Mundstücke. Richtig spannend wird es, als die Hexe ins Spiel kommt – in Gestalt der ersten Geigerin Maria Gawrilenko. Einsam in ihrem Häuschen hütet sie ein Geheimnis: ihre Liebe zur Geige. Doch sie wird immer trauriger, kann die Musik nicht teilen. Also platzt sie mitten in eine Orchesterprobe – mit dem Donnerschlag der Pauke. Das Orchester erstarrt. Kurzerhand ruft Dirigent Haag als Maestro, der auf einem Hügel wohnt und immer mit seinem Stock herumfuchtelt, laut „Abrakadabra“ und „Hokuspokus“. Aber nun klingt alles schief, kratzen die Instrumente ganz fürchterlich.

Doch was wäre ein Märchen ohne Happy End? Der Maestro entdeckt das Können der Hexe, gibt ihr ein Solo beim Konzert. Und so tritt die Konzertmeisterin – nun mit spitzem Hexenhut und Spinnenkleid – nach vorne und spielt mit dem Orchester in schönsten Tönen. „Am besten, ihr macht auch Musik“, sagt die Erzählerin zu den Kindern, bevor diese begeistert applaudieren und die Badische eine jazzig-flotte Zugabe nachlegt.