760_0900_97915_BPhil_BB_K_Petr_210419_35.jpg
Lang Lang, der große Star an den Tasten, nimmt die frenetischen Huldigungen des Publikums entgegen. Rittershaus 

Klavierspiel der genialen Art: Star-Pianist Lang Lang im Badischen stürmisch gefeiert

Baden-Baden. Wie flink und schwerelos seine Hände über die Klaviatur gleiten, wie atemberaubend dynamisch seine Tempo- und Lautstärke-Modifikationen: Lang Langs Spiel am Flügel ist genial.

Freilich hat der jungenhaft sympathisch auftretende Star-Pianist, dessen unerhörte Virtuosität von den einen bewundert, von anderen als „zu gedrillt“ in Frage gestellt wird, auch etwas von einer Diva. Zur Schau gestellte schwelgerische Versunkenheit gehört zu seiner Präsentation.

Bei seinem Ostersonntagskonzert im Festspielhaus Baden-Baden, das er zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenkos Leitung absolvierte, ist Lang Lang unbestritten der Boss, gibt die Impulse und zeigt in der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr.2 in B-Dur (op.19), wo’s lang geht. Zumal der nicht gerade groß gewachsene Dirigent hinter dem aufgeklappten Flügel kaum zu sehen ist. Man spürt aber: Weder treten die Berliner Philharmoniker dienend hinter dem Virtuosen zurück, noch übermalen sie mit üppigem Volumen dessen Part. Es gilt das dialogische Prinzip.

Stilvoll elegantes Musizieren

Dabei gehört die lange Einleitung des noch stark von Mozart beeinflussten Klavierkonzerts ganz dem Orchester, die Solo-Exposition im „Allegro con brio“ lässt auf sich warten. Doch dann ist Lang Lang in seinem Element. Nach zartem Einstieg bietet sein stilvoll elegantes Musizieren feinste rhythmische Nuancen, glasklar pointierte Passagen und rasante Skalen, eine Wendung ins Lyrische und eine kontrapunktisch durchgearbeitete Kadenz. Das Zentrum seiner Interpretation kristallisiert sich im zweiten Satz, dem kontemplativ-intimen „Adagio“ heraus. Weitgespannte Bögen setzen die Orchester-Einwürfe fort und münden in eine kunstvoll verinnerlichte Figuration, die der Pianist im dreifachen Pianissimo zelebriert – während im Festspielhaus eine bis zum Bersten gespannte Stille eintritt. Das abschließende „Rondo“ löst die Spannung mit tänzerisch-verspielter, ja befreiender Virtuosen-Brillanz. Danach wird der Pianist vom Publikum stürmisch gefeiert.

Blitzende Präzision

Wie schon im ersten Baden-Badener Osterkonzert der Berliner mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja folgte nach der Pause die Wiedergabe von Peter Iljitsch Tschaikowskys Sinfonie Nr.5 in e-Moll (op. 64). Wieder rollte die Musik als Breitbandpanorama ab. Erneut agierte Kirill Petrenko mit enormem Körpereinsatz am Pult. Wieder begeisterten blitzende Präzision und die Schönheit des einerseits betörend sanften, weich schwebenden Klangs, auf der anderen Seite die voluminös auf-schäumende Klangwucht, die den großen, akustisch günstigen Raum des Festspielhauses erfüllte. Petrenko spielte auf seinem Orchester wie auf einer Stradivari-Geige mit feinem Piano und gehaltvollen Mittelregistern. Die herrlichen Bläser-Soli (insbesondere des Horns im 2. Satz) und die kulminierenden Forte-Passagen reizten alle sinfonischen Klangvaleurs aus. Hier war der Star das Orchester, das zum Inbegriff der Osterfestspiele geworden ist.