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09.03.2018

Klezmerband Mischpoke beeindruckt in Neuenbürg

Die Sonnenseite des Lebens will die Hamburger Klezmerband Mischpoke bei ihrem Konzert „Oyf a zunikn veg“ in der Stadtkirche Neuenbürg ansprechen. Und tatsächlich, zwischen einigen wehmütigen Stücken sind es vor allem die ausgelassenen Tänze und lebensbejahenden Lieder, die das begeisterte Publikum mitwippen und mitklatschen lässt.

Wenn auch nur zu viert – die aus Ispringen stammende Kontrabassistin Maria Rothfuchs, die den Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde hergestellt hatte, war erkrankt – so erzeugt die Band mit lebhaften Stücken wie „Sam-my`s Freilakh“ zum Auftakt oder „Happy Klezmorimlakh“ mit Kla-vier-Glissandi und Klarinetten-jauchzern viel Euphorie. Misch-poke – das hebräische Wort be-deutet Familie, Sippe – gibt es bereits seit 18 Jahren in wechselnder Besetzung.

Viel Präsenz zeigt vor allem die Klarinettistin und Sängerin Magdalena Abrams, die ihre Instrumente virtuos beherrscht und darüber hinaus mehrfach für Gänsehaut sorgt – etwa bei dem schlicht beginnenden und leidenschaftlich gesteigerten Stück „Sholem Aleik-hem“ oder bei jiddischen Liedern wie „Kinderjohrn“. Mit ihrer kla-ren, leicht angerauten Stimme singt sie dabei von einem nostal-gischen Rückblick in die Kindheit, von der Mutter, Schule oder auch der ersten Jugendliebe. Im Ver-lauf bekommt das Lied durch den Pianisten Alexander Hopff einen groovigen Jazz-Einschlag und das Stück enthält auch ein ausdrucksvolles Solo der Geigerin Cornelia Gottesleben.

Bei dem sowohl traditionell, als auch modern klingenden Stück „Heisser Tatar Tants“ knarzt sie bewusst auf den Saiten, bei der Komposition der Bassistin, „Vul-kan“, bildet sie mit langen Stri-chen einfühlsam das Gegenstück zur hektischen Klarinette. Manchmal geht sie aber auch neben Bläserin und Gitarrist – alle Instrumente sind unnötig verstärkt – ein wenig unter.

Der Gitarrist Frank Naruga begleitet die Stücke meist rhythmusbetont, manchmal vielleicht etwas zu forciert. Der Pianist, der bei den Zugaben für das Publikum auch Akkordeon spielt, tritt bei dem rasanten Stück „Clock“ mit Bravur in Vordergrund: stürmischer Applaus.