Schon auf den ersten Seiten seines Romans macht der Niederländer Manik Sarkar klar, dass ihn am Metzgerhandwerk nicht allein das Milieu interessiert, sondern vor allem dessen literarisches und gesellschaftliches Potenzial.
In seinem Debüt «Ochsenkopf» erzählt Sarkar von Metzger Rensing, der Tierkörper mit großer Hingabe zerlegt. «Wenn dieser Junge mit dem Damaststahl hantierte, wenn er präzise die dicke Sehne vom Schambein und die Häute vom Kugelgelenk löste, dann wusste man, hier vollzog sich etwas Besonderes», heißt es.
Körperliche Bilder
Der Roman arbeitet durchweg mit fleischlichen Metaphern, etwa wenn der Protagonist auf der Fachschule «sein Messerset hegte und pflegte wie die anderen ihren Schwanz». Oder wenn er eine prächtige Kuh in Augenschein nimmt: «Er fühlte das dunkelrote Fleisch, die weiße Äderung, die langen Lendenstücke, die er aus ihrer Seite herauslösen könnte.» Der Verweis auf Patrick Süskinds «Das Parfum» im Nachwort leuchtet ein.
Rensing hat zwar einen Blick für besonderes Fleisch, doch für das Geschäft kein Gespür. Sein hochwertigeres Angebot muss sich gegen den nahegelegenen Supermarkt mit günstigerer Ware behaupten. Doch die Kundschaft weiß das nicht zu schätzen.

Frage nach Qualität und Preis
Der 1973 in Groningen geborene Autor verhandelt fast beiläufig und doch unübersehbar die großen konsumkritischen Fragen: Wie kann Qualität, die ihren Preis hat, in der heutigen Marktlogik bestehen? Warum ist es vielen Kunden gleichgültig geworden, was sie sich einverleiben?
Sarkar nähert sich dem Metzgerhandwerk auf gerade einmal rund 170 Seiten mit poetischer Genauigkeit – ohne ein Gramm überflüssigen Fetts: die Präzision des Schnitts, die Kenntnis der Materie, die fast altmodisch anmutende Vorstellung von Qualität. Aus einer Verbindung von Körpernähe und Formstrenge gewinnt der Roman seine eigentümliche Kraft.
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