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Tango-Paare beleben das Geschehen vor der Bühne, während Beate Hofmann und Wolfgang Torkeler im Rahmen der Reihe „Musik aus Dresden“ spielen.  Foto: Frommer 

Konzert bietet Überraschungseffekt: Trio Milón aus Dresden gibt Konzerte im Birkenfelder Autohaus Tri AG

Birkenfeld. Klassische Musik begegnet lateinamerikanischen Rhythmen. Dieser noch immer außergewöhnlichen Klangverbindung widmete das Trio Milón am Samstag gleich zwei Konzerte im Autohaus Tri AG. Die Gruppe aus Dresden bilden seit zehn Jahren die studierten Musiker Sigrid Penkert (Violine), Beate Hofmann (Violoncello) und Wolfgang Torkeler (Piano).

Neben Kompositionen von Hofmann und Torkeler wurden zahlreiche Titel des bayrischen Pianisten, Komponisten und Filmemachers Peter Ludwig effekt- und eindrucksvoll zu Gehör gebracht. Melancholischer Tango wechselte sich vom Beginn an mit überschäumender Samba und lebensfrohen Salsa-Klängen ab – und luden so zu einer facetten- und abwechslungsreichen Reise durch die Metropolen Lateinamerikas.

Den Auftakt zu einer Bossa-Nova-Komposition von Ludwig zierten die beiden stilecht gekleideten Streicherinnen mit filigranen Pizzicato-Passagen, während sich Torkeler eingangs noch darauf beschränkte, überwiegend dunkle Klänge zu produzieren und, salopp formuliert, schlicht „die Band“ rings um die Solistinnen zu geben. Viele Titel begannen die drei Musiker wunderbar harmonisch, sie woben meist eine plötzliche Wende ein, bei der es entweder unruhig oder auch melancholisch wurde. Und gegen Schluss eines Vortrags – oder auch mal mittendrin – folgte noch ein prickelnder Überraschungseffekt. Bestes Beispiel: Drei Tango-Paare aus Karlsruhe und Pforzheim belebten das Geschehen vor der Bühne, während die Trio-Formation oben den Tango ins Orchestrale erweiterte. Es ging also auch um die Philosophie des argentinischen Tangos und nicht nur um die bloße Musikform. Kräftiger Applaus belohnte die akustische und optische Präsentation der Ludwig-Komposition „La Belge“. Interessanterweise sind seine Stücke in Bayern und Anfang der 1980er-Jahre entstanden – zu einer Zeit, in der man in Mitteleuropa kaum Tango-Platten kaufen konnte.

Torkeler erzählte in seiner Komposition „Malecón“ von einem Spaziergang an Havannas Uferpromenade. Hofmanns gezupftes Violoncello klang hier fast wie ein Bass – und das nun stark synkopierte Pianospiel entführte das Publikum in eine kubanische Hafenspelunke. Mit „Sombral“ (zu Deutsch: Schatten) schloss sich eine neue Komposition von Beate Hofmann an, ehe es Wolfgang Torkeler beim „Tango Milón“ nicht mehr auf dem Pianoschemel hielt.

Die von Peter Ludwig geschrieben Zugabe „Zirkus“ – mit raschen Nachschlägen und abwärts drängenden chromatischen Gängen – traf ins Schwarze: Das Publikum zeigte sich begeistert und beifallsfreudig. Initiiert wurde das gut besuchte Gastspiel vom rührigen Förderverein „Musik aus Dresden“. Im Vorprogramm überzeugten die blutjungen Flötistinnen Valerie Wälte und Luisa Eiche, am Piano begleitet von ihrer Lehrerin Ulrike Sparn von der Städtischen Jugendmusikschule Neuenbürg.