Pforzheim. Treibende Rhythmen, starke Stimmen, tanzende Musiker, pure Leidenschaft und ungehemmte Lebensfreude: Anderthalb Stunden lang bebt der Boden im Kulturhaus Osterfeld am Mittwochabend. Mario „Mayito“ Rivera steht mit seiner Band, den Sons of Cuba, auf der Bühne des Malersaals und macht, selbstredend, kubanische Musik. Es ist eine unglaublich vielseitige und dynamische Musik, voller Energie, die verschiedene Stilrichtungen miteinander vermischt.
Der Mann mit den schulterlangen, schwarzen Haaren, der Pilotenbrille und dem goldenen Kettchen mit Kreuz-Anhänger um den Hals war mehr als 20 Jahre lang die Stimme von Los Van Van, einer erfolgreichen kubanischen, aber hierzulande wohl nur unter Insidern des Genres bekannten Band. Auf der Bühne hat er das Kommando. Eine kleine Geste in Richtung seiner Mitspieler genügt. Die acht Musiker sind ständig in Bewegung, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Sie spielen Stücke, die immer weiter gehen, die kein Ende zu haben scheinen.
Der Abend nimmt nach dem zweiten Stück langsam Fahrt auf. Im Publikum fangen die Ersten an zu tanzen. Platz dafür gibt es im Malersaal genug, denn das Konzert ist nicht gut besucht.
Auf der Bühne sind Rivera und seine Kollegen schon nach kurzer Zeit voll in ihrem Element. Das Tempo ist hoch. Die Trommel dominiert, gibt den Rhythmus vor. Rivera singt. Riveras Stimme ist stark, bebend, dynamisch. Seinen Gesang unterstützt er mit ausladenden Gesten.
Ein Stück folgt auf das andere, fast nahtlos. Eine Pause gönnen sich die Musiker jedenfalls nicht. Nur einmal wird es am Mittwochabend ruhiger. Und zwar als Juan Alvarez mit seiner Posaune ans Mikrofon tritt und seinem Instrument flirrende Klänge entlockt. Rivera überlässt ihm die Bühne und kommt erst ein paar Minuten später wieder.
Viele ausgedehnte Soli
Immer wieder gibt der Sänger seinen Mitspielern Gelegenheit zu ausgedehnten Soli. Das Publikum hat er voll im Griff. Mit „Señoras y señores“, mit „Ladies and Gentlemen“ oder „Meine Damen und Herren“ redet er seine Zuhörer an. Sonst spricht er nur spanisch.
Als er gegen Ende des Konzerts an den Bühnenrand tritt und das Mikrofon in den Saal hält, folgt das Publikum gerne der wortlosen Aufforderung zum Mitsingen. Nach etwas mehr als anderthalb Stunden kommen alle acht Musiker in der Bühnenmitte zusammen, legen sich gegenseitig die Arme über die Schulter und verbeugen sich. Das Publikum verlangt eine Zugabe. Eine wird gewährt. Das Saallicht geht an. Mehr ist nicht drin.

