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Christine Gülden trennt sich für den guten Zweck von den Werken ihres Vaters Hans Howad.  Foto: Belle 

Künstlerischer Nachlass des verstorbenen Hans Howad wird verkauft

Neuhausen-Steinegg. Für mich muss ein Bild etwas Liebeswertes, Hübsches und Erfreuliches sein – ja, etwas Hübsches“, dieser Satz, angelehnt an ein Zitat von Pierre Auguste Renoir, ziert das Atelier von Hans Howad. Im Mai dieses Jahres ist der Künstler aus dem Neuhausener Orsteil Steinegg im Alter von 95 Jahren gestorben. Geblieben ist die Schönheit, die er in seinen Aquarellen festgehalten hat.

Rund 300 seiner Werke lagern in seinem Atelier – und warten darauf, einen neuen Platz, neue Betrachter zu finden. Howads Tochter, Christine Gülden, will seine Kunst für einen guten Zweck verkaufen. „Es war sein Wunsch, dass seine Bilder weitergegeben werden“, sagt die 61-Jährige.

Darum öffnet Gülden am Samstag, 27., und Sonntag, 28. Oktober, die Türen des Ateliers in Howads Wohnhaus in der Finkenstraße 17. Jeweils von 10 bis 17 Uhr haben Interessierte die Möglichkeit, vorbeizukommen, den künstlerischen Nachlass zu betrachten und Werke zu erstehen. Gülden wünscht sich im Gegenzug eine Spende an die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ oder das Hospiz in Leonberg. Zwischen 300 und 600 Euro haben Howads Werke in der Regel eingebracht. Gülden hofft nun, dass die Bilder aus dem Nachlass jeweils mindestens 50 Euro einbringen.

„Er war ein Meister des Aquarells und der Zeichnung der alten Schule mit einer ganz eigenen Handschrift“, sagt Norbert Jüdt von der Künstlergilde Buslat über Howad, der eines der ältesten Mitglieder des Vereins war. Nun liegen die Bilder, nach Themen in Mappen sortiert, auf Tischen in Howads Atelier. Die Räume im Untergeschoss seines Hauses öffnen den Blick in den Garten, des Künstlers zweite Leidenschaft. Die großen Scheiben rahmen den Wandel der Jahreszeiten ein, ein Fenster zur lebendigen Landschaft, stets in Veränderung begriffen. Die Natur, Howads Passion. Seine Bilder erzählen von schneebedeckten Landschaften, hohen Bergen, tiefen Seen, dem Meer und manch malerischem Ort aus der Heimat, aus der Ferne. Aquarelle, in die man sich hineinträumen kann. Howad – ein Poet am Pinsel wie an der Feder.

Ihm sei wichtig gewesen, dass ein Kontakt zwischen Betrachter und Bild entstehe, sagt seine Tochter. Es sei ihm nie „um den Knall und laute Effekte“ gegangen. Momente und Stimmungen einzufangen, sie an den Betrachter weiterzugeben – das sei sein Antrieb gewesen. Gülden beschreibt ihren Vater als ungeduldigen Perfektionisten. Die Technik der Aquarellmalerei habe seinem Naturell entsprochen. Ein Werk, das vollendet werden muss, solange das Papier noch feucht ist. Ohne Chance auf Korrekturen.

Howad durfte zu Hause alt werden, und schließlich dort, in seiner vertrauten Umgebung, sterben. Das Malen, direkt in der Natur, das Sammeln neuer Eindrücke sei mit dem Alter zu beschwerlich geworden. Deshalb habe der Künstler in den letzten Jahren seines Lebens von den Fotografien gezehrt, die er auf zahlreichen Studienreisen aufgenommen hatte. Und so unternahm er, mit Farbe und Pinsel, lebendige Ausflüge in Gedanken, in Erinnerungen, in Bildern. Doch irgendwann, mit weit über 90 Jahren, hat Howad den Pinsel endgültig aus der Hand gelegt. Er war mit seinen Werken nicht mehr zufrieden. „Er war sehr kritisch, ungnädig mit sich selbst“, sagt seine Tochter.

Sich von seinem Werk zu trennen, fällt Gülden nicht leicht. Unter Tränen, aber auch erfüllt von Dankbarkeit und Stolz auf den Vater, habe sie seine Mappen durchgeschaut. „Loslassen ist nicht einfach“, weiß die 61-Jährige. Aus den zwölf Bildern, die sie behalten wollte, seien 50 geworden. Der Verkauf am kommenden Wochenende – „für mich auch ein persönlicher Abschluss“, sagt Gülden. „Eine Herzenssache.“ Ihrem Vater diesen Wunsch zu erfüllen – „Das Letzte, was ich für ihn tun kann.“