Das hell erleuchtete Opernhaus spiegelt sich im Eckensee und wartet auf seine Saninierung. Foto: dpa/Weissbrod
Auch die Staatsgalerie Stuttgart leidet unter den Bauarbeiten am Bahnhof und muss sinkende Zuschauerzahlen hinnehmen. Foto: dpa/Murat
Kultur
Kulturmeile Stuttgart: Task-Force sucht nach möglichen Standorten für Interimsspielstätte
  • Ulf Mauder

Stuttgart. Um die Kulturmeile in Stuttgart drehen sich seit Jahren Debatten. Weil sich aus ihrer Sicht nichts bewegt, gründen besorgte Bürger die Initiative Aufbruch Stuttgart. Und nun äußert sich auch mal der Ministerpräsident zur Situation.

Winfried Kretschmann (Grüne) sieht vor allem die Landeshauptstadt am Zug. „Es sind schwierige Fragen, die geklärt werden müssen. Unter anderem, ob die Ersatzspielstätte ein Provisorium ist oder eine Nachnutzung geplant ist“, sagte Kretschmann. So ganz raushalten aus der Planung um die Kulturmeile kann sich das Land aber trotzdem nicht – auch weil es an den Kultureinrichtungen ganz oder teilweise beteiligt ist.

116 Millionen für Provisorium

Beschlossen ist sie zwar, die Generalsanierung des Opernhauses, in dem auch das international gefeierte Stuttgarter Ballett sein Zuhause hat. „Aber was den nötigen Bauplatz für die Interimsspielstätte angeht, da ist zunächst die Stadt Stuttgart am Zug“, betonte Kretschmann. Pläne, Oper und Ballett für die wohl auf fünf Jahre angelegte Sanierung im alten Paketpostamt unterzubringen, waren zuletzt an den Kosten gescheitert. 116 Millionen Euro für ein Provisorium, das danach hätte abgerissen werden sollen, war allen zu viel. Eine von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) eingesetzte Task-Force ist nun auf der Suche nach möglichen Standorten für eine Interimsspielstätte. Ergebnisse soll es im Herbst geben. Erst wenn es eine Lösung dafür gibt, kann die auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzte Opernsanierung beginnen.

„Alle sehnen sich nach einer Entscheidung“, sagte der prominente Stuttgarter Wieland Backes von der Bürgerinitiative Aufbruch Stuttgart. Der Verein hält es für vorstellbar, dass ein Neubau zunächst als Opern- und Balletttheater, später dann als dringend benötigtes neues Konzerthaus genutzt wird. „Es gibt eine Scheu, Verantwortung zu übernehmen und rechtzeitig konkrete Zahlen zu nennen“, bedauerte Backes. Aufbruch Stuttgart sieht hier nicht nur die Stadt in der Pflicht, sondern auch das Land.

„Schließlich geht es um das kulturelle Herz der Landeshauptstadt und deren Rang im Attraktivitätswettbewerb der Großstädte“, meinte Backes. Der Verein gründete sich aus Sorge um den Zustand der Kulturmeile, die durch die stark befahrene Bundesstraße 14 zerschnitten ist.

Auch Ballettintendant Reid Anderson und Opernintendant Jossi Wieler hatten bei ihrem Abschied beklagt, dass alles viel zu langsam gehe, das Opernhaus zerfalle. Der neue Ballettchef Tamas Detrich rief sogar von der Bühne nach einem „würdigen Bauplatz“ für eine Ersatzspielstätte. Kretschmann und sein Parteifreund Kuhn gingen darauf bei der Abschiedsgala für Anderson nicht ein. Dass der Druck von Bürgerschaft und Kulturschaffenden wächst, merken aber auch sie.

„Parteiübergreifender Dialog“

„Die Sanierung der Oper in Stuttgart ist ohne Zweifel eine Jahrhundertaufgabe“, sagte der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks. Er betonte zugleich, „dass Sorgfalt und Beschleunigung keinen Gegensatz darstellen“. Die Staatstheater würden nun den parteiübergreifenden Dialog mit Politik und Bürgern weiter ausbauen. Kretschmann äußerte sich zudem besorgt mit Blick auf die Situation um die Kulturmeile insgesamt. Dort liegen auch andere Einrichtungen des Landes, darunter die Staatsgalerie. „Sie ist unter Stress geraten durch die Baustelle Stuttgart 21 und durch die Zerschneidung durch die Konrad-Adenauer-Straße“, sagte Kretsch-mann. Er beklagte einen Rückgang der Besucherzahlen.

Geplant ist nun, dass die zentrale Verkehrsachse (Bundesstraße14) im Zentrum zwischen Österreichischem Platz und Gebhard-Müller-Platz anders gestaltet werden soll. Bis Jahresende will der Gemeinderat die Auslobung eines Ideenwettbewerbs für den „Neuen Stadtraum B14“ beschließen. „Die Zahl der Fahrspuren sollte halbiert werden“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner im Gemeinderat. Die Lösung wäre, „den bestehenden Tunnel zu verlängern, damit die Hälfte der Fahrspuren unter die Erde kommt“. Auch der Verein Aufbruch Stuttgart erwartet sich von einer Tunnellösung mehr „Lebensqualität und Gemütlichkeit“, so Backes.

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