nach oben
Immer wieder werden sowohl der Eremit als auch der Teufel in „Versuchung des heiligen Antonius“ als Selbstporträt Cézannes gedeutet. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Immer wieder werden sowohl der Eremit als auch der Teufel in „Versuchung des heiligen Antonius“ als Selbstporträt Cézannes gedeutet. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Spitz zulaufende Silhouetten: „Jacke auf einem Stuhl“ von 1890–1892. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Spitz zulaufende Silhouetten: „Jacke auf einem Stuhl“ von 1890–1892. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Von der „Venus Anadyomene“ von Ingres stammt diese Pose. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Von der „Venus Anadyomene“ von Ingres stammt diese Pose. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
„Die Montagne Sainte-Victoire vom Wäldchen des Château Noir gesehen“ aus dem Jahr 1904. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
„Die Montagne Sainte-Victoire vom Wäldchen des Château Noir gesehen“ aus dem Jahr 1904. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Mehr Geometrie als Porträt: Madame Cézanne um 1877. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Mehr Geometrie als Porträt: Madame Cézanne um 1877. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Mit individuellen Zügen: die Schädel der „Totenkopfpyramide“. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
Mit individuellen Zügen: die Schädel der „Totenkopfpyramide“. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
„Stillleben mit Birnen“ und Landschaft im Hintergrund. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
„Stillleben mit Birnen“ und Landschaft im Hintergrund. Foto: Kunsthalle Karlsruhe
07.12.2017

Kunsthalle Karlsruhe: Paul Cézanne neu entdeckt

Es ist der Ausstellungshöhepunkt des Jahres in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe: Die Schau „Cézanne. Metamorphosen“ lockt Kunstfreunde in Massen. „Wir werden noch vor Weihnachten den 50.000. Besucher begrüßen können“, sagt Pressesprecher Florian Trott. Warum die Karlsruher Ausstellung so spannend ist, erläutert Claudia Baumbusch in ihrem Vortrag im PZ-Forum. Die 100 gezeigten Werke sind weder retrospektiv noch motivisch angeordnet und erlauben so einen neuen Blick auf die Arbeitsweise von Paul Cézanne (1839–1906).

„Denn der Franzose arbeitet prozesshaft, umkreist seine Themengebiete, verwandelt Gesehenes, verdichtet es“, sagt die Kunsthistorikerin. Zeitlebens kopiert er, zeichnet nach Skulpturen, greift sich bei anderen heraus, was er für seine Kunst nutzen kann. Und überwindet dabei die Grenzen, um „ein weltabgewandtes Werk mit überzeitlicher Gültigkeit zu schaffen“. Drei Beispiele:

„Versuchung des heiligen Antonius“ um 1877, „Venus Anadyomene“ (1848) von Ingres

Wie Cézanne hier seine zentrale Figur komponiert, hat klare Bezüge: zur nur wenig früher entstandenen Jean-Auguste-Dominique Ingres‘ „Venus Anadyomene“ (1848). Doch Cézanne geht es dabei weniger um die Historienmalerei oder um die glatte Schönheit einer Göttin. Er untersucht zum einen die formalen Aspekte der Figur, um sie dann mit einer eigenen Konnotation aufzufüllen. In dem von Verführungen, Verlockungen und dem Teufel heimgesuchten Eremiten verarbeitet Cézanne seine sexuellen Sehnsüchte und Befangenheiten. Gerade Frauenfiguren kopiert der menschenscheue Künstler häufig, um nicht mit Aktmodellen arbeiten zu müssen.

Jacke auf einem Stuhl (1890–1892), „Die Montagne Sainte-Victoire“ (1904)

Bei diesen beiden Bildern wird augenfällig, wie Cézanne die Genres verwebt, sie weiterführt. Und so gibt das Stillleben mit der Jacke nicht nur einen Hinweis auf den abwesenden Besitzer, sondern zeigt auf, wie bei ihm ein Motiv ins andere übergeht anhand der Felsformation des Berges.

„Porträt Madame Cézanne“ (1877), „Totenkopfpyramide“ (1898–1900), „Stillleben mit Birnen“ (1885)

Was ist hier Porträt, was Stillleben, was Landschaft? Die Totenschädel scheinen mehr Porträtcharakter zu haben, als der geometrisch vereinfacht wiedergegebene Frauenkopf. Und der Hintergrund der drapierten Birnen erinnert an eine Meereskulisse mit entfernten Bergen.