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Ein Gemälde der Berliner Jahre: „Die Polizei“ von 1929. Foto: Cornelia-Ziegler-Archiv/PZ-Archiv
Selbstbildnis des Künstlers aus dem Jahr 1932. Foto: Cornelia-Ziegler-Archiv/PZ-Archiv
Tochter Cornelia Ziegler und Heiko Rogge in Calw. Foto: Pfäfflin
25.10.2017

Lebendige Erinnerung an Richard Ziegler im Internet

Es ist eine Lebensreise in Bildern und Texten, die mit vielen Überraschungen aufwartet: Dem berühmten Maler Richard Ziegler, Ehrenbürger der Stadt Pforzheim, ist nun eine Internet-Plattform gewidmet, die viel mehr bietet als Lebensdaten und Werkverzeichnis. Das ist vor allem dem Ziegler-Freund und -Kenner Heiko Rogge zu verdanken und der Sparkasse Pforzheim-Calw.

Bildergalerie: Internetportal erinnert an Richard Ziegler

Denn die verfügt mit mehr als 200 Werken über die größte Privatsammlung des Künstlers – und war ihm jahrzehntelang eng verbunden. Und mit Jürgen Sauter, dem Chef der Sparkassen Informationstechnologie (S-IT) in Calw, hat sie einen passionierten Sammler in ihren Reihen, der vor allem auch Material über die reinen Kunstwerke hinaus zusammengetragen hat.

Was ist nun das Besondere am neuen Richard-Ziegler-Portal? Vor allem der umfangreiche Inhalt. Sehr übersichtlich wird der Besucher durch die Lebensstationen des 1891 in Pforzheim geborenen Künstlers geleitet. Da gibt es wunderbare Fotografien aus der Kinderzeit, vom Abi am Reuchlin-Gymnasium, Zeichnungen und Gemälde seiner Ehefrauen und Lebenspartnerin bis hin zu Abbildungen der Ehrungen zum 100. Geburtstag.

Unter den Überschriften „Die Anfänge“, „Italienreisen“, „Berlin“, „Exil“, „Mallorca“ gibt es eine Fülle von Entdeckungen: Da ist beispielsweise die Fotografie des jungen Richard vor dem Gartenhaus in Würm, das als erstes eigenes Atelier diente. Da sind wunderbare Pastelle, die auf Sizilien in den Jahren 1925 und 1926 entstanden sind. Die großen Pastelle, die Ziegler während der Tessin-Herbstreise 1926 malte, werden mit seinen im Tagebuch festgehaltenen Impressionen der mächtigen Bergwelt unterlegt. Seine im Stil der Neuen Sachlichkeit in Berlin entstandenen Gemälde machen deutlich, dass Ziegler in einer Reihe mit Künstlern wie Otto Dix, George Grosz und Karl Hubbuch steht. Und auch hier gibt es – manchmal ausgesprochen heitere – Einblicke ins Privatleben: So zeigte eine Fotografie Richard Ziegler bei der Arbeit an einem Ölgemälde – mit nacktem Oberkörper und in gestreifter Pyjamahose.

Im Buch blättern

Die Dokumentation der Jahre im englischen Exil warten mit einer weiteren Besonderheit auf: Hier lässt sich der komplette Band des 1940 erschienenen Buchs „We Make History“ mit den entlarvenden Karikaturen der Nazi-Größen und den bedrückenden Zeichnungen der Opfer nachlesen.

Die sonnigen Seiten des Lebens genoss der Künstler zusammen mit Lebensgefährtin Susan Ziegler auf Mallorca. Ein Film vom August 1987 zeigt den Besuch des damaligen Sparkassen-Chefs Jürgen Teufel und des Kunsthistorikers Rogge bei dem 96-Jährigen in Selva, der sich auf seine Rückkehr in die Heimat freut.

Insgesamt sieben Jahre haben Heiko Rogge, Jürgen Sauter sowie Andreas Schaible und Andreas Wohlgemuth von S-IT an dieser „digitalen Laudatio“, so Sauter, gearbeitet, haben aus Mosaikstückchen ein Gesamtbild zusammengestellt, das noch erweitert werden kann und soll. Für Frühjahr 2018 ist ein Relaunch geplant – mit noch mehr Material. Vor allem auch über die zahlreichen Werke Zieglers im Pforzheimer Besitz, die unter anderem aus der „Susan Ziegler Donation“ des Jahres 1994, die in der Goldstadt nur höchst selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.