Streit um Wanne, Wassertemperatur und Ente: Ralf Steltner (links) und Stefan Linker.
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„Liebe im Büro“ (Sofa-Szene): Ralf Steltner und Cornelia Kirwald.
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Kultur
Loriot begeistert im Pforzheimer CCP: „Die Ente bleibt draußen!“ punktet mit feinem Humor
  • Robin Daniel Frommer

Seine Knollennasenmännchen sind bis heute Kult. Cartoonist, Autor und Edel-Humorist Loriot (1923 bis 2011) hat das kulturelle Gedächtnis eines Millionenpublikums ausgesprochen nachhaltig geprägt.

Vermutlich wird man über seine amüsanten Sketche noch sehr lange lachen – genau wie am Donnerstagabend im Congress-Centrum Pforzheim (CCP).

Was macht den feinen Humor Vicco von Bülows (alias Loriot) einzigartig?

Wohlfeile Lacher strebte der große Humorist aus Brandenburg an der Havel zeitlebens nie an. Loriot präsentierte ebenso zeitlose wie haarsträubend absurde Alltagsbeobachtung; dabei nahm er zwar die kämpferischen Dialoge altgedienter Paare mit höchster Präzision aufs Korn, zeigte aber immer feines Mitgefühl mit seinen stolpernden Figuren.

Entsprach die Pforzheimer Aufführung von „Die Ente bleibt draußen!“ diesem längst rar gewordenen Stil?

Ja. Ein Paradebeispiel beim CCP-Gastspiel des Ensembles der „New Entertainment Production“ war der brillant dargebotene Sketsch „Der Lottogewinner“ mit dem extrem wandlungsfähigen Stefan Linker in der Titelrolle. Es gibt wohl niemand im Saal, der nicht mit dem in den Mühlen eines TV-Interviews völlig verlorenen Erwin Lindemann sympathisierte. Und der stammelte nach der nervenden finalen Klappe nur noch hilflos: „Ich heiße … na! … Erwin … ich heiße Erwin und bin Rentner. Und in 66 Jahren fahre ich nach Island … und da mache ich einen Gewinn von 500.000 D-Mark … und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal“.

Wurde anderen Opfern des Alltags ein ähnlicher Auftritt gestattet?

Ja. Bei Cornelia Kirwalds mehrteiligem Solo mit dem profanen Titel „Inhaltsangabe“ erhielt eine sich im Labyrinth britischen Adelsnamen, wie „Gwyneth Molesworth“ und Ortschaften, wie „North Cothelstone Hall“ heillos verhaspelnde Nachrichtensprecherin anerkennenden Beifall vom empathischen Saalpublikum.

Gab es eine überragende Spielszene bei der Loriot-Aufführung?

Eher zwei: Mit dem Einstiegssketch „Konzertbesuch“ hielt das bestens aufeinander eingespielte Ensemble – Sarah Kattih, Cornelia Kirwald, Ronald Gilek, Thomas Hansen, Stefan Linker und Ensemble-Leiter Ralf Steltner – dem CCP-Publikum den humoristischen Spiegel vor. Dabei blieb es nicht nur beim Rascheln mit der Bombontüte, ein Darsteller blieb beim Übersteigen einer Sitzlehne kurios hängen und störte ausnahmslos alle anderen. Das (echte) Saalpublikum verstands und war sofort da. Auch für den Einstieg in den zweiten Abschnitt hatte sich Steltner – mit einer auf Schienen beweglichen Badewanne – für den grandiosen Sketch „Herren im Bad“, etwas ganz Besonderes ausgedacht. Kurz das Bühnenbild für Doktor Kloebner und Müller-Lüdenscheid wurde mit großer Sachkenntnis konstruiert und stand der schauspielerischen Leistung von Steltner und Linker nicht nach. Auch, wenn die Ente, wieder einmal, draußen bleiben musste.

Was machte außerdem die besondere Qualität der Aufführung in Pforzheim aus?

Die Ensembletiefe und die hohe Flexibilität der Darsteller: Steltner (Piano), Hansen (Saxophon) und Gilek (Schlagzeug) gestalteten die Umbaupausen und Übergänge mit musikalischer Unterhaltung kurzweilig und heiter.

Kommt das Ensemble mit der sehenswerten Aufführung im Rahmen der Tournee wieder in die Nähe Pforzheims?

Ja. Wer die Loriot-Aufführung im CCP nicht wahrnehmen konnte, hat im kommenden Jahr zwei einfach erreichbare Termin-Chancen: in Stuttgart am 4. April und in Karlsruhe am 24. April 2027.