Am Flügel im PZ-Forum gibt Marina Müllerperth eine Kostprobe ihres Könnens. Foto: Seibel
Kultur
Marina Müllerperth: Musik als Lebenseinstellung
  • Simon Püschel

Marina Müllerperth kann sich ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Was bei vielen Menschen wie eine Floskel wirkt, muss man der 20-jährigen Pianistin einfach glauben. Warum? Weil es schlicht stimmt. Dann an eine Zeit ohne Musik kann sie sich einfach nicht erinnern. So ist es eben, wenn man früh anfängt. Dann gibt es die eigene Person nur mit Musik – und ohne ist sie gar nicht denkbar.

Marina ist drei Jahre alt, als sie anfängt. Da ist die ältere Schwester – Magdalena – schon ein Jahr dabei. Marina kommt mit, wenn die große Schwester vom elterlichen Schmie nach Mühlacker aufbricht und dort die ersten Töne spielt. Sie lauscht in das andere Zimmer hinein – und will bald auch Klavierspielen. „Da war ich dann hartnäckig“, sagt sie. Sie bekommt, was sie will.

Die Müllerperths im Doppelpack kommen ziemlich schnell voran. Beide wechseln früh nach Karlsruhe, werden Schülerinnen von Professorin Sontrand Speidel – da ist Marina sieben Jahre alt. Sie lässt sich formen und vertraut der Lehrerin. Die fordert und geht auf die beiden Schwestern ganz unterschiedlich ein.

Nie ein gleiches Stück zur gleichen Zeit. Was gäbe das auch für eine Konkurrenzsituation, eine Einladung zur Zwietracht? Die gibt es nicht zwischen den Schwestern. „Auf so einen Wettbewerb haben wir uns nie eingelassen“, sagt Marina. Wohl aber darauf, die Musik ernstzunehmen.

Denn mit der kindlichen Übezeit von zehn Minuten pro Tag ist es bald vorbei. „Während meiner Schulzeit habe ich dann schon täglich rund zwei Stunden geübt“, sagt sie. Ist das nicht schwer? Sich am Nachmittag immer noch zu motivieren? „Das Gefühl, keine Lust auf Musik zu haben, hatte ich eigentlich nie“, sagt Marina. „Außer an einigen Tagen vielleicht.“ Die sind vergessen. Denn Marina hat sich entschieden, die Musik zu ihrem Beruf zu machen.

Ihre Klassenkameraden am Theoder-Heuss-Gymnasium in Mühlacker wollen Jura studieren oder Medizin. Marina will das nicht. „Ich habe mir überlegt, Goldschmiedin zu werden – wie mein Vater.“ Auch das zerschlägt sich.

Seit zwei Jahren studiert Marina Klavier in Karlsruhe – dort, wo sie schon seit der Jugend gefördert wurde. Ganz leicht hat sie sich nicht getan mit der Entscheidung. „Ob man als Pianist eine Chance bekommt, ist nicht sicher.“ Nur der Gedanke, dass sie irgendwann einmal ohne Musik sein müsse, hat Marina abgeschreckt. „Musik als Hobby, das wäre mir einfach zu wenig.“ Wer weiß, ob sie das Klavierspiel dann nicht irgendwann ganz aufgeben müsste? Dass sie sich richtig entschieden hat, das weiß Marina mittlerweile sicher. „Ich bin gerade ziemlich glücklich mit meiner Entscheidung.“ Es läuft ja auch gut.

Gerade hat sie den mit 5000 Euro dotierten Lichtenberger Musikpreis gewonnen; dort – im Lichtenberger Schloss in Hessen – darf sie Anfang September ein Konzert spielen – und zwei Tage später geht es nach London zum Auslandsaufenthalt an der Guildhall School. „Es kann nicht so falsch sein, was ich mache.“ Aber Marinas Heimat, das ist Schmie. „Da gefällt es mir schon sehr.“

Da sind Vater und Mutter, die beide zu Hause arbeiten. Denn Marinas Mutter ist Kunstglas-bläserin. Da ist das Fachwerkhaus, das Marina ihr Zuhause nennt – und da sind die drei Katzen, die hoch im Kurs stehen bei Marina, ihrer Schwester und der Mutter. „Wir sind ziemliche Katzenfreaks – vielleicht sogar ein bisschen zuviel“, sagt die 20-Jährige. Wenn sie dann zu Hause ist, und sich an den großen Flügel setzt, kommt mit ziemlicher Sicherheit Jimmy Kater – eine der Katzen – vorbei. Der legt sich auf die Notenstapel und hört Marina beim Spielen zu. Auch in solchen Momenten, da weiß sie, dass sie richtig liegt – und so ein Leben ohne Musik irgendwie sinnlos ist.