Die Konzerte von Marc Marshall (links) und Jay Alexander auf dem Ötigheimer Festspielgelände sind längst Tradition. Foto: Wollenschneider
Neu ist Marc Marshalls Bart. Altbekannt aber das beliebte Konzept der drei Konzerte: Das Duo deckt die Vielfalt zwischen Rock, Pop und Klassik ab. Das kommt an. Foto: Wollenschneider
Jay Alexander mimt den Heino – und wird von dem als Frau verkleideten Marc Marshall humoristisch begleitet. Foto: Wollenschneider
Kultur
Marshall & Alexander begeistern mit Konzertserie in Ötigheim
  • Nike Luber

Was für eine Party! Andrea Berg, Nana Mouskouri, Heino, ein Wildecker Herzbube, alle haben ihren Auftritt auf der Freilichtbühne Ötigheim. Und das, ohne leibhaftig anwesend zu sein. Im Schlagermedley vor der Pause schlüpfen Marc Marshall und Jay Alexander in sämtliche Rollen. Mit herrlicher Selbstironie trägt Alexander in weißer Kutte und schwarzer Perücke die „weißen Rosen aus Athen“ vor, und Marshall tobt zum Vergnügen des Publikums in schulterfreiem Top, kurzem Rock und schwarzen Stiefeln als Schlagerstar-Parodie über die Bühne. Da bleibt kein Auge trocken, zumal Marshall unter die Bartträger gegangen ist.

Das ist nicht der einzige Höhepunkt des alljährlichen Sommerkonzerts von Marshall & Alexander auf der Freilichtbühne in Ötigheim. Dieses Jahr wählen die klassisch ausgebildeten Sänger ein schier unerschöpfliches Thema: „Die schönsten Liebeslieder“.

Liebeslieder gibt es seit Jahrhunderten – von romantisch bis tragisch. Tenor Jay Alexander lässt in seinen Soli ein bisschen von der klassischen Muse einfließen. „Plaisir d’amour“ (Liebesfreude) stammt aus dem 18. Jahrhundert, was der Tenor zusammen mit Rene Krömer am Flügel schön zur Geltung bringt. Klassische Linienführung und die richtige Dosis an tenoralem Schmelz zelebriert Jay Alexander in dem Solo-Medley mit der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“, „Frühling in Sorrent“ und „Ich küsse Ihre Hand, Madame“.

Seit 20 Jahren ein Team

Marc Marshall geht musikalisch in eine andere Richtung, er wählt als Solo den Song „Woisd a Herz hast wia a Bergwerk“ von Reinhard Fendrich, gesungen im österreichischem Dialekt, und ein eigenes Lied, das ihm in einem Kölner Hotel einfiel. „Du hast mir gerade noch gefehlt“ – eine Mischung aus Romantik und mitreißender Rhythmik.

Seit fast 20 Jahren stehen die beiden Sänger gemeinsam auf der Bühne. Dass sie auf den sprichwörtlichen „Brettern, die die Welt bedeuten“, zu Hause sind, merkt man. Da sitzt nicht nur die abgesprochene gemeinsame Moderation, da wird auch schnell mal augenzwinkernd ein verpasster Einsatz des Bühnenpartners aufgefangen. Ihr Publikum haben die beiden immer im Blick. Wenn mitten in der riesigen Zuschauertribüne von Ötigheim jemand einen Schwächeanfall hat, reagieren die Künstler sofort. Und sie sehen es, wenn im zweiten Teil des Konzerts die ältere Dame wieder munter zwischen all den anderen Zuschauern sitzt.

Der familiäre Umgang, nicht nur zwischen Marshall und Alexander, sondern auch mit den meist langjährigen Mitgliedern der Band, die die Open-Air-Auftritte in Ötigheim souverän begleiten, und mit dem Publikum macht die spezielle Atmosphäre aus. Mühelos bringen die Sänger ihre Zuschauer schon lange vor der Pause zum Mitsingen. Die geschickte musikalische Dramaturgie trägt ihren Teil zum allseitigen Vergnügen bei. Auf verträumte Stücke folgen zuverlässig ein paar Titel, die richtig fetzen. Zu den italienischen Songs des Duos wie „Le stagioni che verranno“ und „Solo tu“, wo zum Klangzauber gleich noch ein Sternenhimmel über die malerische Kulisse gelegt wird, kann man sich in eine italienische Sommernacht wegträumen. Um danach durch eine flotte Nummer wie „So lange man Träume noch leben kann“ zurückgeholt zu werden. Zur großen musikalischen Bandbreite gehören auch gute alte Rocksongs wie „Wild Thing“ oder Tom Jones’ „Sex Bomb“, mit denen Marc Marshall, Jay Alexander und die Band die Bühne nach dem Ende des offiziellen Programms rocken.