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Ein Meister am Saxofon: Michael Steiner. Hinten Drummer Peter Hinz.  Roller
Ein Meister am Saxofon: Michael Steiner. Hinten Drummer Peter Hinz. Roller
25.11.2016

Michael Steiner begeistert mit seiner Band MS4 mit selbst komponierten Stücken

Schon lange ist er in Pforzheim kein Unbekannter mehr. Mit sechs Jahren hat er Blockflöte gelernt, mit acht Klavier und mit 16 kam er zum Saxofon, dem er bis heute treu geblieben ist. Er hat schon mit Künstlern wie Xavier Naidoo, Laith Al- Deen und André Heller auf der Bühne gestanden.

Erst vor ein paar Wochen brachte er zusammen mit der Pforzheimer Band Nightfly das „domicile“ fast zum Platzen. Und am Donnerstagabend, da steht Michael Steiner mit seinen drei Saxofonen auf der Bühne des Kulturhauses Osterfeld. Aber nicht etwa allein. Er hat sich Verstärkung mitgebracht.

Ihm gegenüber, auf der anderen Seite der Bühne, an der Gitarre, sitzt Mario Schulz, der in den Neunzigerjahren bei Stoppok die Saiten zum Glühen gebracht hat. Und dann sind da noch der aus Zypern stammende Neophytos Stephanou am Bass und Peter Hinz an der Percussion. Die vier Musiker nennen sich MS4, sind in bester Spiellaune und kredenzen ihrem Publikum gut zwei Stunden lang eine bunte Mischung aus Jazz, Rock und Pop, die sich kaum beschreiben lässt. Das ist auch gar nicht nötig. Hier die typischen harten Gitarrenriffs der Rockmusik, dort ein jazzig-groovendes Saxofon und ganz viel Gefühl bei der Intonation. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Es passt eben hervorragend.

Wenn die vier gemeinsam spielen, dann geht es manchmal ein bisschen ruhiger zu. Aber nur so lange, bis es wieder ausschweifender wird und lauter. Langeweile? Bei dieser Spielweise Fehlanzeige. Könnte aber auch daran liegen, dass die Musiker vor allem Songs im Gepäck haben, die aus der Feder von Steiner stammen und allein schon deswegen den Reiz des Unbekannten versprühen.

Sphärische Klänge

„Big City Blues“ zum Beispiel. Eine Nummer mit eingängiger Grundmelodie, die das pulsierende Leben der Großstadt einzufangen scheint. Auch schön: Der „Karmic Dance“, der ein bisschen so klingt wie irische Folkmusik, wenn Steiner in seine Tin Whistle bläst, die nur sechs Löcher hat und nur eine Tonart von sich gibt. Bei „Gone“ hingegen hat Percussionist Peter Hinz alle Hände voll zu tun, während beim federleichten „Clouds“ Bassist Neophytos Stephanou seinem Instrument fast schon sphärische Klänge entlockt.

Und dann gibt es zum Glück immer wieder langsame Nummern, die Steiner an seinem Saxofon genug Raum lassen, um weite Melodiebögen auszuspannen. Selten spielen die vier Musiker auch einen bekannten Klassiker. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Denn bekannt ist allenfalls der Titel. Was die vier daraus machen, hat mit der Vorlage nicht mehr viel zu tun. Beispiel: der Duke Ellington-Klassiker „Caravan“, ein Jazz-Standard. Bei MS4 gibt das Saxophon im Hauptthema den Ton an und treibt die anderen Instrumente vor sich her, die sich auf das Spiel einlassen und für einen vollen, satten Klang sorgen. Kein Wunder, dass das Publikum großen Spaß daran hat, den Musikern zuzuhören und am Ende tosenden Applaus spendet, der zur obligatorischen Zugabe führt.