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Motivation und Kampfgeist: Nachdem Arabo75 für seinen Arbeitgeber eine Rap-Nummer geschrieben hatte, bekam er einen Ausbildungsplatz.  Foto: Privat 

Mit Live-Auftritt auf die Erfolgsspur: Rapper Arabo75 bringt neuen Song raus – und der hat eine ganz besondere Geschichte

Pforzheim. Es ist eine Geschichte, die einem gerade in diesen Zeiten ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Sie zeigt Arabo75, den die meisten eigentlich als Gangster-Rapper kennen, von einer ganz anderen Seite. In der Pforzheimer Rap-Szene kommt man um ihn kaum herum. Mittlerweile haben seine Videos teils Millionen Klicks auf YouTube. Mit „Ich vergeb’ Dir nicht“ und Auftritten im „Kupferdächle“, „Flash“ oder im Kommunalen Kino machte sie Arabo75, der eigentlich Jehija Al-Abdallah heißt, einen Namen.

„Gute Werbung, die Familie und die Motivation, immer weiter Musik zu machen“, nennt er selbst als Gründe für seine Popularität. Auch wenn er sehr oft wieder bei null anfangen musste. Sei es wegen eines verlorenen USB-Sticks, eines kaputten PCs oder gebrochenen Beziehungen mit anderen Musikern. Arabo75 hat immer weiter geschrieben und Rap gelebt.

Glück nur von kurzer Dauer

Nun profitiert auch sein Berufsleben von der Musik: Der 23-jährige Rapper hat schon viele Jobs angefangen, mindestens genauso viele wieder aufgegeben. Doch keiner hat es ihm so angetan wie der Beruf als Kundenberater der Telekom. Aber das Glück war nur von kurzer Dauer, denn sein Zeitarbeitsvertrag lief nach einem Jahr aus. „Um mich für eine Ausbildung zu bewerben, war die Frist leider schon vorbei. Und um für die Zwischenzeit wieder etwas Neues anzufangen und wieder abzubrechen, hatte ich keine Nerven“, sagt der 1996 in Leonberg geborene Rapper.

Mit diesem Video von einem Live-Auftritt bei einer Firmenfeier wurde er bekannt:

Dann kam er auf eine Idee. Weil er schon immer seine Gedanken in der Musik verarbeitet, schrieb er für das Unternehmen ein Lied. Der mit dem Handy aufgenommene Clip sorgte in den regionalen Mitarbeiter-WhatsApp-Gruppen für Furore und erreichte irgendwann die Chefetagen und Leute, die Einfluss auf den Karriereweg der Beschäftigten haben. Im September 2019 wurde er zu einer internen Veranstaltung eingeladen, bei der er den Song live performen durfte.

„Das Publikum hat mitgesungen und getanzt“, erinnert sich Arabo.

Und sein Plan ging auf: Im vergangenen Dezember konnte er als Späteinsteiger die gewünschte Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beginnen.

„Ich bin dort super zufrieden“, sagt er glücklich. Jetzt ist der „Telekom Song halb 10“ auf allen gängigen Streaming-Portalen im Internet zu hören. Halb 10 – das ist die Uhrzeit, zu der die Läden öffnen und die Beschäftigten loslegen. „Es geht allgemein um den Alltag eines Shop-Mitarbeiters und was dort momentan angeboten wird“, sagt der Rapper.

Eigentlich war es immer sein Traum, die Musik zum Beruf zu machen.

„Da es bis heute leider nicht ganz geklappt hat, habe ich eben meinen Plan geändert und meine Musik für meinen Beruf eingesetzt“, erzählt er.

Er habe also zwei Dinge vereinen können und dadurch Aufmerksamkeit bekommen. Zudem habe Arabo75 eine neue Seite an sich entdecken können. „Der Song ist für junge und ältere Menschen interessant.“

Michael Müller

Michael Müller

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