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Markus Löchner (rechts) erweckt bei einer Lesung im Theaterfoyer Texte von Charles Bukowski zum Leben. Kontrabassist Klaus Dusek spielt dazu die passende musikalische Interpretation.  Foto: Volz 

Mit Säufern in den Untergrund: Neue Schauspielleiter Markus Löchner lebt Welt des Charles Bukowskis vor

Pforzheim. Die Texte des umstrittenen Kultautors Charles Bukowski sind unterhaltsam und fesselnd, das war bei einer Lesung in der Reihe „Blauer Salon“ im Theaterfoyer zu erleben. Der neue Schauspielleiter Markus Löchner hatte zwei Stories Bukowskis aus dem Band „Jeder zahlt drauf“ mitgebracht, die sich mit zweien seiner Hauptthemen befassen: Bargespräche und Sex.

Das richtige Bukowski-Feeling lieferten ein Drei-Tages-Bart und eine Flasche Scotch, die Löchner bereitwillig, wenn auch nur virtuell, mit dem Publikum im nahezu ausverkauften Foyer teilte. Whiskey oder Apfelsaft? Die Frage blieb bis zum Schluss offen. Kontrabassist Klaus Dusek spielte dazu eine stimmungsvolle Interpretation, die in verräucherte Kneipen, trostlose Wohnungen und einsame, nächtliche Straßen entführte.

Säufer, Frauenheld, Untergrund-Kultfigur der 1970er- und 80er-Jahre, Moralistenschreck, Außenseiter-Autor von Schmutz und Vulgarität: Bukowski, dem in Deutschland geborenen, amerikanischen Schriftsteller und Lyriker hat man so manches Etikett umgehängt. Nur das, ein großer Schriftsteller zu sein, war nie dabei. Zu abseits jeglicher Norm der Schreibstil des studierten Journalisten und seine Sujets, die sich ausnahmslos mit den Verlierern, Außenseitern, Konformitätsverweigerern befassen.

Bukowski ist nicht ihr Sprecher, er beobachtet und beschreibt, alkoholumnebelt und gleichzeitig messerscharf präzise. Ausführlich und detailverliebt widmet er sich auch nebensächlichsten Kleinigkeiten. Das könnte ermüdend sein, wäre da nicht die lebendige, nuancenreiche und farbstrotzende Sprache. Markus Löchner nutzte dieses Mittel virtuos, lässt in „Solzimer“ einen Bartresen entstehen, an dem ein zunehmend Scotch-seeliges Gespräch mit einem Fremden um Beziehungsprobleme, Flugstunden, eine lästige Fliege und das Fliegen an sich kreist, und der Ich-Erzähler Hank tatsächlich das Fliegen mithilfe des Zauberworts „Solzimer“ lernt.

Alles sehr stimmig

Eine wahrhaft „schlechte Nacht“ erlebt der frustrierte Monty, der sich zunächst erfolglos am Telefonsex versucht. Aber auch der Besuch eines „dream girls“ ist nur enttäuschend, weil Monty die Fantasie fehlt, sich in ein solches Sex-Abenteuer fallen zu lassen. Dazwischen kurzes Geplauder mit Chefdramaturg Peter Oppermann über anstehende Projekte. Und Schauspielerin Michaela Fent macht einen Abstecher von den „Zofen“-Proben im Großen Haus und singt den Song „I’m Through With Love“. Alles sehr stimmig und abwechslungsreich – und schnell sind die eineinviertel Lesestunden herum. Viel verdienter Beifall.