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Gösta Funck zeigt sich als feinsinniger Interpret. Foto: Molnar
Gösta Funck zeigt sich als feinsinniger Interpret. Foto: Molnar
01.02.2017

Mit zarter Gewalt – Kerzenkonzert in Brötzingen

Pforzheim. Eine stimmungsvoll beleuchtete Kirche: Rund um den Altar leuchten Kerzen. In dieser Atmosphäre fällt es leicht, sich ganz auf die Musik einzulassen. Mit Werken norddeutscher Komponisten des 17. Jahrhunderts eröffnet die Organistin Karen Kirschenbauer das zweiteilige Konzert „PhanTastissimo – Phantastische Musik für Orgel und Cembalo“ in der Brötzinger Christuskirche. Die Barockstücke sind geprägt vom barocken Stylus Phantasticus, bei dem freizügig zwischen Lauf- und Figurenwerk oder vollen und arpeggierten Akkorden gewechselt wird.

Kirschenbauer demonstriert das mit großer Spielfreude und Gestaltungskraft bei dem machtvoll registrierten Präludium in G-Dur von Nicolaus Bruhns, vor allem aber bei Dietrich Buxtehudes umfangreicher Choralfantasie „Te Deum Laudamus“. Ungestüme Klänge bilden da einen starken Kontrast zu einem lang ausgehaltenen Basston. Virtuos auch Buxtehudes Passacaglia in d-Moll, die die Organistin direkt dessen Präludium in D-Dur anfügt. Friedlich dagegen der zarte, wie aus der Ferne klingende Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“.

Im zweiten Teil des Konzerts stellt der Berliner Cembalist Gösta Funck, ein früherer Kommilitone Kirschenbauers, den Vater Johann Sebastian Bach seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach eindrucksvoll gegenüber. Allein der elegante Cembaloklang nach den gewaltigen Orgelausbrüchen bildet eine schöne Abwechslung.

Obendrein ist Funck ein ausgesprochen feinfühliger Interpret, der die Toccata d-Moll BWV 913 des älteren Bach ganz behutsam angeht, Töne auch länger nachwirken lässt. Präzise und lebhafter der Fugenteil, der ihm leicht von der Hand geht. Bemerkenswert vor allem, wie beseelt und verträumt er den empfindsamen Stil des jungen Bach vorführt – bei dessen Spätwerk „Empfindungen – Freie Fantasie für Clavier“ von 1787. Ohne erkennbare Struktur ist dieses Stück, das mit glockenartigen Akkorden beginnt, extreme Verzögerungen und echohafte Akkorde aufweist. Mit der klangintensiven Chromatischen Fantasie und Fuge BWV 903 des Vaters und dem Thema der Goldberg-Variationen als Zugabe klingt das Konzert aus.