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Kraftvoll: Christopher Brose (links) und Frank Nimsgern. Foto: Ketterl
Kraftvoll: Christopher Brose (links) und Frank Nimsgern. Foto: Ketterl
Intensiv: Chris Murray. Foto: Ketterl
Intensiv: Chris Murray. Foto: Ketterl
Ausdrucksvoll: Femke Soetenga. Foto: Ketterl
Ausdrucksvoll: Femke Soetenga. Foto: Ketterl
03.04.2018

Modern-Musical-Classics: Frenetischer Applaus im Stadttheater

Pforzheim. Musicals haben am Theater in Pforzheim grandiose Erfolge und finden begeisterte Fans. Die feierten ihre aus den hiesigen Aufführungen bekannten Stars beim „Modern Musical Classics“-Konzert mit frenetischem Applaus.

Gleich beim Opening „Defying Gravity“ aus „Wicked“ füllten Frank Nimsgern und seine exzellente Band mit aufgedreht dröhnendem Sound den Raum im Großen Haus des Stadttheaters. Sängerin Femke Soetenga setzte sich in schwarzer Theaterkluft (Marlene-Hose und ärmelloses Shirt) flott in Szene, hatte aber Mühe, sich mit ihrer Stimme gegen Keyboard, Bass, Drums und vor allem gegen die elektronisch verstärkte Melodie-Gitarre Nimsgerns, der das Programm arrangierte, kraftvoll zu behaupten.

Sie zeigte ihre Klasse vor allem in lyrisch feinen, zart ausgestalteten und meist nur von Nimsgern am Piano begleiteten Songs, beispielsweise in Maria Magdalenas „I Don’t Know How To Love Him“ aus „Jesus Christ Superstar“ oder in dem stimmungsvoll melancholischen, mit emotionalem Ausdruck entfalteten Lied „Please Don’t Make Me Love You“ aus „Dracula“. Freilich vermochte sie auch als böse Königin in „Queen Superstar“ aus „SnoWhite“ schrundig lärmend Akzente zu setzen. Die Krone als Musical-Held des Abends ließ sich Chris Murray nicht nehmen. Seine intensiv ausgelebten Hits sind einfach sensationell. In „Stars“ aus „Les Miserables“ sang er mit großem Volumen, wie einst Peter Hofmann zu seinen besten „Phantom der Oper“-Zeiten. Das wunderschöne Liebesduett „A Perfect Life“ aus „Dracula“, das er mit Stimmglanz und schier endlosen Haltetönen ausstattete und zusammen mit Partnerin Femke interpretierte, löste regelrechte Ovationen aus. Und er kann auch ganz sanfte Wiegenlieder, wie das Lullaby „Steig hinab kleiner Mann“, das der Zwerg Alberich für Siegfried anstimmt. Diese Nummer stammt – gewissermaßen als Preview-Kostprobe – aus Frank Nimsgerns Musical „Der Ring“, das nach Richard Wagners Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ gestaltet wurde und im Oktober in Ludwigs Festspielhaus Füssen mit Chris Murray und Christopher Brose gegeben wird. Brose, der am Karsamstagabend zum ersten Mal in Pforzheim zu hören war, begeisterte auch spielerisch als Frank’n’furter mit Stöckelschuhen in „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Show“ und im mitreißenden „I Want It All“ aus „We Will Rock You“. Schlussendlich interpretierten Femke Soetenga, Chris Murray, Christopher Brose und Frank Nimsgern – als Special zum Osterfest – gemeinsam jenes Lied, das Judas in „Jesus Christ Superstar“ unmittelbar vor der Kreuzigung des Gottessohnes heuchlerisch, aber mit Leuchtkraft zum Besten gibt.

Das Finale, der neue Nimsgern-Song „See The Light“, wurde vom Publikum rauschhaft bejubelt. Zwei Sätze der moderierenden Musical-Interpreten trafen an diesem Abend ins Schwarze: „Es ist faszinierend, was Musik mit Menschen machen kann“, kommentierte Brose. Und Murray ergänzte: „Wir leben eben alle von Träumen und Wünschen.“