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Um die Projektleiterin Cornelia Lanz (im gelben Kleid) haben sich Mitspieler aus verschiedenen Nationen geschart.
Um die Projektleiterin Cornelia Lanz (im gelben Kleid) haben sich Mitspieler aus verschiedenen Nationen geschart.
Der aus dem Irak stammende Ayden Antanyos (links) begeistert mit seinem Spiel.
Der aus dem Irak stammende Ayden Antanyos (links) begeistert mit seinem Spiel.
Yasar Dogan (Saz, links) und Ahmad Shakib Pouya (Harmonium) eröffnen den Abend mit einer arabischen Weise.  Recklies
Yasar Dogan (Saz, links) und Ahmad Shakib Pouya (Harmonium) eröffnen den Abend mit einer arabischen Weise. Recklies
13.05.2016

Mozarts „Zaide“ als Flüchtlingsprojekt am Theater Pforzheim

Die stehenden Ovationen nach der Aufführung des Singspiels „Zaide – Eine Flucht“ am Theater Pforzheim zeigen: Das interkulturelle Opernprojekt des 2014 gegründeten Vereins „Zuflucht Kultur“ berührt die Zuschauer. Dabei scheint es vor allem ein Umstand zu sein, der das Publikum erfreut: Zu dem Projekt haben sich Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern zusammengetan.

Es ginge dabei nicht um bestimmte Länder, so macht es die Projektleiterin und Hauptdarstellerin Cornelia Lanz deutlich. Sondern vielmehr darum, auf das Thema im Allgemeinen aufmerksam zu machen, Menschen zusammenzubringen, sie zum Denken über die bestehende Situation für Flüchtlinge anzuregen. Und es gehe auch darum zu zeigen, „dass es ,die Flüchtlinge‘ nicht gibt“, sondern dass man die Individuen sehen müsse.

Von diesen lebt und profitiert natürlich auch die Produktion, die am Dienstag und gestern jeweils vor ausverkauften Rängen zu erleben war. Unter der rein künstlerischen Betrachtung mag man durchaus den einen oder anderen Makel beim Timing oder beim Ausdruck erkennen. Lanz und allen Mitwirkenden geht es aber nicht nur darum, Qualität auf die Bühne zu bringen – was über weite Strecken aber vokalistisch mit der Mezzosopranistin Lanz als Zaide, Ivo Michl als Bass in der Rolle des Osmin, dem Bariton Kai Preußker als Allazim sowie dem Tenor Burkhard Solle in der Rolle des Sultans Soliman und schließlich dem Tenor Matthias Siddartha Otto als Gomatz recht passabel gelingt. Es geht vielmehr darum, mit der Produktion als Ganzes, als Melange der Kulturen, die Zuschauer zu erreichen.

Aktuelle Fluchterfahrungen

So gibt es nicht nur Musik aus Mozarts wenig bekanntem Singspiel „Zaide“ zu hören. Die Besucher werden vielmehr mit Eindrücken heutiger Erfahrungen von Flucht und Vertreibung konfrontiert. Eingebettet in nicht immer sauber gespielte Mozartklänge, dargeboten vom Ensemble Zuflucht unter der Leitung von Gabriel Venzago, das sich aus Instrumentalisten zahlreicher Orchester zusammensetzt, treibende afrikanische Trommelsounds sowie Klänge, die aus arabischen Ländern vertraut sind, erleben die Zuschauer märchenhafte und bewegende Momente, Szenen der Hoffnung und der Niedergeschlagenheit, der Freude und der Trauer. Dies alles in einem solch wechselhaften Spiel und in einem Sprachenmix, dass es manchmal schwerfällt, die Botschaft des Stücks zu verstehen.

Mitreißende Trommelklänge

Das Zuschauen bereitet trotzdem Freude und fesselt mitunter. Denn es ist die Leidenschaft des Spiels, die neben den eingängigen Opernarien gefällt. So, wenn der Iraker Ayden Antanyos als Sultan und Koch agiert, der aus Syrien stammende Darsteller und Sprecher Zaher Alchihabi mit Verve Worte von der Bühne schmettert oder die Nigerianerin Esther Jacobs zu mitreißenden Trommelklängen ihren Körper über die Bühne treibt.