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Singt Musical-Titel und plaudert aus seinem Leben: Chris Murray. Foto: Molnar
Singt Musical-Titel und plaudert aus seinem Leben: Chris Murray. Foto: Molnar
07.06.2017

Musical-Star Chris Murray bringt Fans in Eutingen zum Träumen und Jubeln

Pforzheim-Eutingen. Chris Murray verblüfft immer wieder – mit seiner Stimme, seinem Humor und seinen Geschichten. Für seine Fans gibt sich der Musical-Star des Stadttheaters im Alten E-Werk Eutingen die Ehre, singt im Solo von Träumen, Wünschen und Hoffnungen – und wird mit stehenden Ovationen belohnt.

Aufgrund der starken Nachfrage veranstaltet der Verein „Eule“ gleich zwei Konzerte am Pfingstwochenende und setzt damit die beliebte Reihe „Musical & mehr“ fort. Die insgesamt 250 Zuschauer sind schon am Anfang begeistert, jubeln beim Titel „Dies ist die Stunde“ aus dem Musical „Jekyll & Hyde“, das Murray energisch präsentiert. Gleich danach folgt das erste Lied aus dem Erfolgs-Musical „Dracula“ – „Ich lebe nur, weil es dich gibt“ – als ruhiger Song, der es in sich hat.

Eingeleitet hat der blond gelockte Sänger, der in schwarzem Rüschenhemd, buntem Gürtel und den typischen, nur für die vordere Reihe sichtbaren Zehenschuhen auftritt, das Programm mit sanfteren Tönen – und den selbstverfassten Zeilen „Die Nacht ist jung, die Stimmung scheint freundlich, wir spielen was Altes und auch was Neues“. Genauso hört er nach zwei Stunden wieder auf – von den Zugaben einmal abgesehen. Zusammen mit dem prägnanten Pianist und zweiten Kapellmeister des Theaters Pforzheim, Tobias Leppert, gestaltet Murray einen charmanten Abend großer Gefühle, singt innig „Draußen“ aus „Der Glöckner von Notre Dame“, das er 750 mal in Berlin spielte, oder „Musik der Nacht“ aus seiner ersten Großproduktion „Das Phantom der Oper“.

Wie die Jungfrau zum Kind sei er dazu gekommen – zur Sparte überhaupt. „Ich hatte keine Ahnung“, erzählt er, sei mit „Ach, ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst“ zum Vorsingen gegangen. Den Job bekam er trotzdem: „Das war mein Einstieg in die Musical-Branche“, so der Amerikaner.

Er erzählt vom Vatersein, von seiner Frau, die er vor über 20 Jahren in Berlin kennenlernte und mit beiden Töchtern anwesend ist, aber auch von einer Demenzkranken, die in eine Probe kam und einfach nur zuhören wollte. Vor allem beeindruckt Murray aber mit seiner Stimmgewalt, die scheinbar wie aus dem Nichts eine ungeheure Kraft gewinnt und durch Mark und Bein geht. Der lange Atem tut sein Übriges. Bei „Sie schlagen ihre Türen zu“ aus dem derzeit am Theater erfolgreich laufenden Musical „Shylock!“ schwingen Wut und Stolz mit.

Mit Faust und ausdrucksstarker Mimik versieht der Sänger auch die „Unstillbare Gier“ aus „Tanz der Vampire“. Die kindlich-naiven Nummern wie „Vatertag“ aus „Die Kinder von Eden“ passen dagegen eher weniger zu seiner charakterstarken Gestaltungskunst. Drei wunderschöne Filmmusik-Soli präsentiert Leppert am Piano, das Liebesthema aus „Star Wars – Episode 2“ zum Beispiel. Schade nur das störende Dauerfiepen bei Murrays Gesang am Mikrofon, das auch in der Pause nicht behoben werden kann.