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Punktgenau und leidenschaftlich: der Cellist Matthias Wilde und die Pianistin Sonia Achkar in der evangelischen Kirche Birkenfeld. Foto: Molnar

Musik aus Dresden präsentiert romantisch-klassisches Programm für Klavier und Cello

Birkenfeld. Bei so viel Intensität in den Ecksätzen wäre ein Adagio zum Ausgleich gut gewesen. Doch Brahms hat seine Cellosonate in e-Moll op. 38 aus der ursprünglich viersätzigen Form gelöst und den langsamen Satz gestrichen. Immerhin ist der Mittelsatz ein unbeschwertes Menuett, den Sonia Achkar (Klavier) und Matthias Wilde (Cello) denn auch als Ruhepol zwischen dem aufbrausenden Kopfsatz und dem atemberaubenden Fugato-Finale nutzen.

Erstmals in Birkenfeld zu Gast

Die mitreißende Hitze tut dem Kammermusikabend von Musik aus Dresden in der kalten, evangelischen Kirche Birkenfeld gut. Wie Mai fühlen sich die winterlichen Temperaturen jedenfalls nicht an. Umso glühender träumen die erstmals in Birkenfeld gastierende Pianistin und der bereits vor zwei Jahren im Quartett aufgetretene Cellist vom Frühling. Erst seit zwei Jahren kennen sich die beiden, spielen seitdem in diversen Formationen. So kommt auch der lang geplante Duo-Abend zustande, bei dem die Nachwuchstalente Jaroslaw Nuss am Klavier und Franz Ladenburger an der Posaune im Vorkonzert ihre Künste zeigen.

Die Brahms-Sonate bildet den Abschluss des romantisch-klassischen Konzerts. Bemerkenswert ist das gleichberechtigte Auftreten der Interpreten, beide hingebungsvoll und virtuos. Matthias Wilde zeichnet sich durch eine emotionsgeladene Ausdruckskraft und Körpersprache aus – passend zu seinem Namen. Wie er etwa die dunklen Klangregister im ersten Satz auslotet, ist fantastisch. Mit einer eleganten Anschlagskultur, die sich ebenso zärtlich wie energisch zeigt, überzeugt die Pianistin. Tollkühn hüpfen zum Beispiel ihre Staccati beim synkopierten Scherzo von Beethovens Sonate Nr. 3 A-Dur, op. 69 über die Tastatur. Herrlich, wie Wilde und Achkar hier miteinander wetteifern und rhythmisch gegen den Strich musizieren – immer auf den Punkt genau. Der eine erzeugt ausdrucksvolle Doppelgriffe, die andere kraftvolle Akkorde.

Voller Witz und Koketterie

Vom Innehalten und Davonrauschen ist das Final-Allegro geprägt, von Kontrasten der umfangreiche Kopfsatz. Voller Witz und Koketterie indes Beethovens zwölf Variationen über Mozarts berühmte Glockenspielarie „Ein Mädchen oder Weibchen“, gesungen von Papageno in der „Zauberflöte“. Wie das gestrichene Adagio bei Brahms geklungen haben könnte, führen die Künstler mit dem Anfang des langsamen Satzes aus dessen Klavierquartett op. 60 als Zugabe vor.