760_0900_118759_Maulbronn_Klosterkonzert_Eberhardt_Sebas.jpg
Mehr als nur ein Notprogramm: Sebastian Eberhardt an der Orgel in der Maulbronner Klosterkirche.  Foto: Tilo Keller 

Musikalisch wärmende Nähe: Sebastian Eberhardt konzertiert in der Maulbronner Klosterkirche

Maulbronn. Nicht alle haben ihm das zugetraut. 2013 übernahm Sebastian Eberhardt, der junge Musiklehrer des Evangelischen Seminars Maulbronn, die künstlerische Leitung der Maulbronner Klosterkonzerte, arbeitete sich mit Kunstverstand überraschend schnell in das verantwortungsvolle, fordernde Amt ein und führte das Musikfestival im Weltkulturerbe-Kloster zu neuem Glanz. Und nun, nachdem das Festival in dieser Spielzeit der Corona-Epidemie zum Opfer fiel, bewährte sich sein Chef mit einfallsreich organisierten „Konzerten auf Abstand“ als Krisen-Manager – auch mit einem ganz eigenen Beitrag.

Und es wurde keine zaghafte Verlegenheitsveranstaltung. Sondern ein meisterlicher, musikalisch virtuoser, mit Furor intonierter Konzertabend, der dynamische Klangbilder und eine üppige Farbenpalette im Angebot hatte. Das Programm präsentierte einen veritablen Querschnitt durch die traditionelle Orgelmusik-Literatur. Eberhardt stellte Felix Mendelssohns Sonate Nr.1 in f-Moll (Op.65/1) wie eine Kreuzung aus lutherischer und beethovenscher Musikalität vor: Fein umspielt die Choralmelodie „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“, voluminös ausformuliert die akkordischen Abschnitte im ersten Satz („Allegro moderato serioso“). Das „Adagio“ folgte mit sehr zarter, romantisch-poetischer Tonsprache. Der dritte Satz diente als Auftakt zum rauschhaft attackierenden Fortissimo-Finale. Georg Böhms Choralpartita über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ deutete mit ihren differenziert registrierten Variationen auf seinen berühmten Schüler Johann Sebastian Bach voraus. Dessen mit Verve interpretierte Triosonate Nr. 5 (BWV 529), eine Komposition mit erheblichem spieltechnischem Anspruch, strahlte in den rasanten Ecksätzen in fröhlichem C-Dur, nur der langsame „Largo“-Mittelsatz zeigte auch dunkel gedämpfte Moll-Passagen.

Zum Konzertabschluss servierte der exzellente Maulbronner Organist den Finalsatz der spätromantischen dritten Orgel-Symphonie (op.28) von Louis Vierne. Über wellenhaftem Tongeflirre brausten stürmisch-wuchtige Akkord-Einwürfe daher, der Orgel-Schweller und das volle Plenum kamen rauschhaft wuchernd und klangmächtig zum Einsatz. Abstände gab es nur in der räumlichen Verteilung der Zuhörer. Die Intensität der Orgelmusik entfaltete dagegen wärmende Nähe.